Maschinenteile aus der Türkei - Geschäftsmodell Sourcing
Der Solinger Geschäftsmann Lothar Grünewald hat mit der BAK Maschinenteile GmbH eine neue Firma gegründet. Sie konzentriert sich auf die Beschaffung und Produktion von Maschinenbauteilen aus der Türkei.
In der Passage an der Keldersstraße in Solingen-Ohligs ist unter anderem ein Café zu finden, eine Fahrschule und ein Friseursalon. Ein Unternehmen wie die BAK Maschinenteile GmbH erwartet man in dem großen Durchgang nahe dem Hauptbahnhof eher nicht. Geschäftsführer Lothar Grünewald hat sich bewusst für den Standort entschieden. Denn hier ist er mitten im Geschehen – und in direkter Nachbarschaft zu seinen Ladenlokalen, in denen sich unter anderem das „Unverpackt“-Geschäft befindet.
Der 63-Jährige ist eine bekannte Größe in der lokalen Wirtschaft. 25 Jahre lang führte der ehemalige Salem-Schüler mit Psychologie- und BWL-Diplom die Grünewald Consulting GmbH für Personalberatung und strategische Unternehmensentwicklung. Vor einigen Monaten übernahm sein Schwiegersohn Cedric Schütz die Leitung der Firma, die – nach einigen Jahren im ehemaligen Ohligser Rathaus – inzwischen im Gründer- und Technologiezentrum (GuT) ihren Sitz hat. Gründer Grünewald ist noch im Beirat tätig.
Aktuell liegt das Hauptaugenmerk des umtriebigen Unternehmers auf einer Neugründung aus dem Jahr 2024: Mit der BAK wollen er und sein türkischer Partner Tarik Eginc, zuständig für alles Technische, deutschen Unternehmen „eine starke industrielle Infrastruktur und ein umfangreiches Lieferantennetzwerk in der Türkei bieten, um die Beschaffung und Produktion von Maschinenbauteilen effizient zu steuern“, so Grünewald. Ziel sei es, die Wettbewerbsfähigkeit der Kunden zu steigern, Kosten zu optimieren und höchste Qualitätsstandards sicherzustellen.
„Die Türkei ist ein ebenso spannender wie herausfordernder Beschaffungsmarkt“, sagt Grünewald, der das Land durch eine Niederlassung seiner Consulting-Firma in Izmir bestens kennt. „Einerseits haben wir es mit einer hohen Inflation und einer problematischen Lira-Entwicklung zu tun“, so Grünewald. „Andererseits ist das Preis-Leistungs-Verhältnis für unsere deutschen Kunden sehr attraktiv.“
Konkret geht es um zentrale Elemente für den Anlagen- und Maschinenbau. „Als Partner für Sourcing und Produktion beschaffen wir vor allem CNC-Teile und Schweißbaugruppen sowie Schmiede- und Gussteile.“ Bei Stückzahl 1 geht es los, nach oben sind fast keine Grenzen gesetzt. Erste Projekte wurden bereits erfolgreich umgesetzt. „Manche deutsche Firmen sourcen grundsätzlich nur in einem geringen Umkreis oder höchstens innerhalb der EU. Andere wiederum holen sich ihre Sachen direkt aus Fernost. Wir bedienen die große Nische dazwischen“, erklärt Grünewald die Idee hinter der Gründung.
Die Lieferanten sitzen vor allem in der Ägäis, „hier haben wir das dichteste Netzwerk“, so der Geschäftsführer. Bei Sonderanfertigungen arbeite man aber auch mit Spezialisten in Istanbul oder Ankara. „Wir legen größten Wert auf Transparenz: Unsere deutschen Kunden wissen genau, wer für sie arbeitet. Auf Wunsch können sie die Produzenten auch vor Ort besuchen.“ In manchen Fällen ist die BAK lediglich der Vermittler, meist aber wickelt sie im Kundenauftrag den gesamten Prozess ab.
Dazu zählen unter anderem die Lieferantensuche und -auswahl, die Beauftragung und Sicherstellung der Musterproduktion, Ingenieurdienstleistungen sowie die Steuerung der Logistik. „Wir verstehen uns als Full-Service-Beschaffungsagentur“, betont Grünewald. Dreimal im Jahr ist er selbst in der Türkei. Sein Geschäftspartner Eginc, der fließend deutsch spricht, kommt umgekehrt häufig nach Deutschland. „Wir besuchen gemeinsam Kunden und sind auf den einschlägigen Messen wie Bauma oder Agritechnica unterwegs.“ Grünewald berichtet von einer hohen Nachfrage und ist zuversichtlich, dass sich das Geschäft „weiterhin sehr gut entwickeln wird“.
Text: Daniel Boss