Max-Leven-Zentrum - Moderner Erinnerungsort

Im November 2025 wurden die Räume der neuen Bildungs- und Gedenkstätte an der Max-Leven-Gasse in Solingen-Mitte, als Außenstelle des Stadtarchivs, eröffnet.

Es gibt nur noch ein Foto, das den Journalisten Max Leven zeigt. Im Kreise seiner Familie zusammen mit seiner Frau Emmi und den drei Kindern. Nur einer von ihnen, Sohn Heinz, überlebte die Grauen der NS-Diktatur. Und genau an dem Ort, an dem der jüdische Kommunist und Kulturkritiker der „Bergischen Arbeiterstimme“ in der Pogromnacht 1938 von Nationalsozialisten brutal ermordet wurde, befindet sich das neue Max-Leven-Zentrum.

Was war das für ein Mensch, der sich gegen das Gewalt-Regime auflehnte? Welche Lehren können wir aus dieser Zeit der Unterdrückung, Angst und auch des Widerstandes ziehen? Diese und viele weitere Fragen kann beantworten, wer sich in der neuen Gedenk- und Bildungsstätte in der Nähe des Neumarkts umsieht. Anhand von Touchscreens, Info-Stelen, Filmen und Biografietafeln erlebt man die Zeit des Nationalsozialismus hautnah und vor allem lokal: Was ist hier bei uns in Solingen konkret passiert?

Bereits im Mai 2019 entstand die Idee zu dieser multimedialen Erinnerungsstätte durch eine zivilgesellschaftliche Initiative, wenig später wurde der Verein „Max-Leven-Zentrum Solingen e. V.“ gegründet. Noch im gleichen Jahr beschloss der Stadtrat einstimmig die kommunale Trägerschaft der Stadt Solingen für das Zentrum. Und so konnten unter Leitung des Stadtarchivs das Projekt konzipiert und realisiert sowie der Betrieb organisiert werden. Heute vermitteln die Räume im Neubau der Stadt-Sparkasse Solingen den Besuchern einen Eindruck von den damaligen Redaktionsräumen der Zeitung „Bergische Arbeiterstimme“ sowie vom Umfeld des Verlages und den soziopolitischen Umständen dieser Zeit. „Die Dauer­ausstellung beleuchtet die Auswirkungen des Nationalsozialismus auf die Stadt Solingen und präsentiert Dokumente zur Geschichte der Solinger Arbeiterbewegung“, ordnet Daniela Tobias, Mitarbeiterin des Stadtarchivs und Vorsitzende des Vereins „Max-Leven-Zentrum Solingen e. V.“, die Bedeutung der Erinnerungsstätte ein. Sie wird unter anderem unterstützt durch den Landschaftsverband Rheinland (LVR), die Landeszentrale für politische Bildung, die Gerd-Kaimer-Bürgerstiftung und die Stadt-Sparkasse.

Neben dem Leben und Wirken von Max Leven und seiner Familie steht auch die Solingerin Änne Wagner im Fokus. Auch sie arbeitete in den 1920er Jahren in der Redaktion der „Bergischen Arbeiterstimme“ und schrieb ihre Lebenserinnerungen in dem Buch „Gegen den Strom?“ nieder. „Wir erinnern hier an die vielen vergessenen Stimmen, die durch Verfolgung und Gewalt zum Schweigen gebracht wurden“, formuliert es Armin Schulte vom Stadtarchiv Solingen. Zusammen mit Daniela Tobias trug er die Exponate und Informationen zusammen.

Zur Eröffnung konnten die beiden besondere Gäste aus Argentinien begrüßen – zwei Urenkel von Max Leven, Federico Leven und seine Schwester Victoria de los Angeles Leven. Erst wenige Wochen zuvor hatte sich Victorias Tochter Maira bei Daniela Tobias gemeldet. Sie lebt in Berlin und hatte mitbekommen, was sich in Solingen tut. Umso größer die Überraschung, als klar wurde, dass die Familie von Maira in Buenos Aires aus dem Nachlass von Heinz Leven rund hundert Briefe ihres Urgroßvaters und seiner Familie gefunden hatte, die diese zwischen 1933 und 1940 an Heinz geschrieben hatten. Diesen Fund übergaben sie Anfang November an die Verantwortlichen des Max-Leven-Zentrums. Einen „Sechser im Lotto für uns Historiker“, nannte Ralf Rogge, Leiter des Stadtarchivs, diesen Fund, der nun Stück für Stück ausgewertet und veröffentlicht wird. „Anhand der unterschiedlichen Exponate verstehen Interessierte hoffentlich noch besser, welche schrecklichen Auswirkungen Verfolgung und Unterdrückung auf Menschen wie Max Leven hatten, und machen sich Gedanken darüber, welche Aufgaben für uns als Gesellschaft daraus erwachsen“, so Daniela Tobias.

Text: Liane Rapp

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