Frühstückskreationen im Luisenviertel - Die Kunst des Frühstückens
Bei Juce kann jederzeit gefrühstückt werden. Damit sorgt das Lokal nicht nur für Urlaubsstimmung, sondern für eine neue Lebensart, die in Wuppertal auf Begeisterung stößt.
Als Juce im Mai 2024 eröffnete, hat es im Luisenviertel eine kleine Sensation ausgelöst. Das All-Day-Breakfast schien Wuppertal im Sturm erobert zu haben. Gäste standen Schlange, um im frisch eröffneten Lokal mit Terrasse einen Tisch zu ergattern. Wie sie sich das erklären? „Wir hatten Glück“, sagen die Gründerinnen, Julia Browarzik und Celina Uth, beide 30, pragmatisch. Die Freundinnen, die sich schon mehr als ihr halbes Leben lang kennen, träumten schon lange von einem eigenen Lokal in ihrem heißgeliebten Luisenviertel. Den medialen Start zur Geschichte der beiden jungen Frauen auf einer großen Baustelle, wo zuvor zwei Lokale nacheinander gescheitert waren, gab die Bliggit-App. In dem Ausmaß hätten sie sich den Umbau gar nicht vorgestellt, sagte Celina damals. Was dabei herauskam, ist ein Wohlfühlort zum Entschleunigen und in den Tag hinein leben.
Gastronomie war schon immer Teil ihres Lebens, auch wenn sie anfangs ganz andere Wege einschlugen. Celina studierte Finanzierung und Wirtschaftsprüfung in Bochum und Wuppertal, Julia machte einen Abschluss in Psychologie, beide kellnerten nebenbei. Nach dem Studium spezialisierte sich Julia auf Assessment-Center-Verfahren und Celinas Karriere führte sie in die Unternehmungsberatung. Zwei Jahre später gestanden sich beide ein, dass die berufliche Erfüllung auf der Strecke bleibt. „Das waren gute Jobs, aber anscheinend haben sie nicht so ganz zu uns gepasst“, überlegt Julia. Entschlossen fassten die Freundinnen einen Plan. Sie reduzierten ihre Stunden und kehrten zu ihren Nebenjobs zurück. Das Konzept, ein Frühstücks- und Brunch-Café zu eröffnen, reifte früh heran: „Wir wollten eine klare Linie fahren.“ Dazu inspirierte sie Bali, wo Julia Celina während eines Austauschsemesters besuchte. Die hippen Lokale mit Eggs Benedict, Smoothie Bowls und handgemachter Granola gab es schon vielerorts, aber noch nicht in Wuppertal.
Das helle Raumkonzept entwickelten sie selbst, wobei die Sessions auf der Suche nach den perfekten Rattansesseln sich schon mal bis in die Nacht hinzogen. In vier Monaten bis zur Eröffnung wurden im künftigen Juce die Wände herausgebrochen, gestrichen und Böden verlegt, bis der Raum nicht wiederzuerkennen war. Es entstand ein Ambiente in cremigen Tönen und mit natürlichen Texturen, wo tagsüber gerne und ausgiebig geschlemmt und gequatscht wird. Die Besitzerinnen können sich mittlerweile mehr zurücklehnen, anders als in der anfänglichen Experimentierzeit: „Wir haben wochenlang Pancakes gemacht, bis wir gesagt haben: Das ist das perfekte Rezept.“
Mit seinem Menü versucht Juce diverse Vorlieben zu treffen und vermag durchaus auch größeren Hunger zu stillen. Ob getrüffelte Käsekruste, veganes Rührtofu, Kreationen aus Freilandeiern der regionalen Marke „Wupperperlen“ oder Avocadobrot – herzhafte Gerichte kombiniert man nach Belieben mit süßen Speisen wie French Toast, Pancakes und fruchtigen Bowls. Handgemachte Aufstriche, knuspriges Brot, frischgepresste Säfte und Cocktails bei Juce lassen es dem perfekten Frühstück an Nichts fehlen. Und noch ein Grund, warum der Laden immer voll ist: Julia und Celina nehmen die Sache persönlich. „Wir sind immer da“, erklären sie, „deshalb kommt ein zweites Lokal vorerst nicht infrage, aber vielleicht irgendwann.“
Text: Evgenia Gavrilova