Frauen sichtbar machen - Vorbilder für Nachfolgerinnen

Nadja Richter, Fachreferentin Unternehmensgründung im Kompetenzzentrum Frau und Beruf Bergisches Städtedreieck, sieht traditionelle Rollenbilder als Hürde für Frauen in Führungspositionen.

Wie entwickelt sich die Zahl der Frauen, die ein Unternehmen leiten?

Ungefähr jede dritte Führungskraft in Deutschland war 2024 weiblich. Da hat sich in den letzten zehn Jahren wenig verändert. Damit sind wir im europäischen Vergleich eher unter dem Durchschnitt. Auch bei Familienunternehmen haben wir eine statistische Mehrübernahme von Männern gegenüber Frauen, obwohl es dort natürlich auch qualifizierte Töchter gibt.

Wie sehen Sie die Akzeptanz von Frauen in Führungspositionen in der Gesellschaft?

Leider spielen Geschlechterstereotype und traditionelle Rollenbilder noch eine sehr große Rolle. Das hat zur Folge, dass Frauen stärker beweisen müssen, was sie können und dass sie sich zutrauen, ein Unternehmen zu führen. Bei der Nachfolge im Familienunternehmen wird auch heute noch oft unterbewusst davon ausgegangen, dass Söhne die Firma übernehmen, Frauen werden gar nicht in Erwägung gezogen. Diese unterschiedlichen Maßstäbe sind oftmals keine bewusste Handlung, sondern entsprechen einem vorherrschenden Denkmuster. Deshalb sind weibliche Vorbilder so wichtig. Die Akzeptanz im Unternehmen dagegen ist in der Regel kein Problem. Wenn eine Nachfolge gut vorbereitet und kommuniziert wird, funktioniert das sehr gut.

Wie wird eine Nachfolge denn gut vorbereitet?

Da gibt es viele Faktoren, wichtig ist auf jeden Fall eine frühzeitige und offene Kommunikation über Ansprüche und Wünsche beider Seiten. Mitunter kann eine externe Begleitung sehr hilfreich sein. Aus Sicht der Nachfolgenden hilft sicherlich auch der Austausch mit anderen in vergleichbarer Situation. Dafür planen wir derzeit ein entsprechendes Angebot. Schon jetzt gibt es aber mehrere Stellen, die Kontakte herstellen oder verknüpfen können – da vermitteln wir gern weiter.

Was sehen Sie als größte Herausforderung für Frauen als Nachfolgerinnen?

Nach wie vor ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder Pflege die wichtigste Hürde. Die Pflege wird im Zuge der demografischen Alterung zunehmend ein größeres Problem. Diese Veränderungen treffen Frauen und Männer gleichermaßen. Wichtig ist es, Töchter systematisch als Nachfolgerinnen zu fördern. Wenn sie im Unternehmen arbeiten, dann sollten sie auch in prominenten, verantwortlichen Positionen sichtbar sein.

Was muss geschehen, damit mehr Frauen in Führungspositionen gelangen?

Natürlich benötigen wir mehr und zuverlässigere Betreuungsangebote und weniger Meetings am Spätnachmittag. Aber wir brauchen auch eine Sichtbarkeit von Frauen in Führungspositionen, um traditionelle Rollenbilder aufzuweichen und die Kompetenz von Frauen zu zeigen. Und wir wollen für dieses Thema sensibilisieren, mehr informieren.

Wie hilfreich ist die wachsende Anzahl von Netzwerken für Frauen dabei?

Netzwerke, Austauschformate, Mentoringprogramme sind essenziell. Die Zahl weiblicher Führungskräfte in den Unternehmen ist nun mal geringer. Während Männer leicht jemanden auf Augenhöhe finden, haben Frauen im eigenen Unternehmen oft weniger Auswahl. Gleich­zeitig stehen sie stärker unter Beobachtung – weil es eben nicht Normalität ist, dass eine Frau die Chefin ist. Sich da zu öffnen und sich über Herausforderungen auszutauschen, ist für erfolgreiche Frauen schwieriger. Deshalb bieten wir Gelegenheiten, damit Chefinnen und weibliche Führungskräfte auf Augen­öhe Austausch finden.

Wie viele Frauen erreichen Sie mit Competentia?

Vergangenes Jahr besuchten über 560 Personen unsere Veranstaltungen, unseren Social-Media-Kanälen folgen rund 2.000 Personen. Wir sind aber auch viel auf Netzwerkveranstaltungen, um unsere Themen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren nahezubringen.

Das Gespräch führte Tanja Heil.

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