Bergisch mobil - Gemeinsam fahren

Jochen Stiebel ist Geschäftsführer der Neuen Effizienz gGmbH – die unter anderem mit Unterstützung der Bergischen IHK das neue Mitfahr-Angebot BergischMove auf die Beine stellt. Worum es dabei geht, erklärt Stiebel im Interview.

Was ist BergischMove?

Bergisch.Move ist die erste Mitfahrplattform, die die gesamte Fläche einer Region abdecken soll. Bislang gab es Plattformen für einen Arbeitgeber oder ein Gewerbe-gebiet. Wir wollen jetzt aber eine Mitfahrplattform für die gesamte Region, mit dem Fokus auf Arbeitende, hier aufbauen. Wir gehen damit am 9. März online.

Wieso Arbeitskräfte und wie erreichen Sie die?

Wichtig ist bei einer Mitfahrplattform, dass man möglichst viele gleiche Wege hat. Und wenn man sich auf Arbeitnehmende konzentriert, haben die zumindest ein gemeinsames Ziel und eine ähnliche Uhrzeit. Dadurch entstehen mehr planbare Fahrten. Deswegen konzentriert man sich bei Mitfahrplattformen immer auf die Standardfahrten und nicht auf Gelegenheitsfahrten.

Da liegt auch der Unterschied zu den großen bundesweit agierenden Plattformen.

Genau. Und bei der Bezahlung. Bergisch Move hat ein festes Tarifsystem, keine selbst verhandelten Preise. Die Fahrenden werden über das System bezahlt. Die Mitfahrenden zahlen über das System – teilweise über den Arbeitgeber oder uns, aus Fördermitteln – einen sehr geringen Beitrag. Das ist aber alles über den Algorithmus geregelt. Das gibt ein viel besseres Preisgefühl. Die Fahrenden bekommen maximal 30 Cent pro Kilometer – aber gedeckelt. Die Mitfahrenden teilen das Geld für die gefahrenen Kilometer.

Warum ist so eine Idee wie die Mitfahr-App wichtig?

Die Mobilität nimmt zu und viel davon wird über zusätzlichen Autoverkehr abgedeckt. Gerade in einer hügeligen Region ist das die erste Reaktion vieler Menschen. Im Städtedreieck sind die Anmeldezahlen für PKW immer gestiegen. Das merkt man gerade in den eng bebauten Wohnvierteln. Wenn man sicher mit anderen mitfahren kann, verringert sich die Zahl der fahrenden Autos, die Straßen sind weniger voll, die Parkplätze auch und vielleicht reduziert sich auch die Zahl der PKW irgendwann.

Wie ist es zu der Idee gekommen für diese App?

Die Grundidee kommt aus der Zivilgesellschaft. Zivile Akteure haben sich mit Experten wie uns und den WSW zusammengeschlossen, um die Lücke zwischen privater Mobilität und ÖPNV zu schließen. Der ÖPNV kann Randzeiten und -gebiete nicht abdecken, da gibt es Bedarf. Mit Unterstützung des damaligen OBs Uwe Schneidewind haben wir viele Unternehmen angesprochen, und auch die GWG und ABG als Wohnungsbauunternehmen und Cambio als Car-Sharing-Anbieter. Die haben uns beauftragt, eine Kurz-Studie zu erstellen. Wir haben dann festgestellt, dass es Interesse an Mitfahrplattformen gibt. Die funktionieren aber nur, wenn es viele Teilnehmende gibt. Wir wollen das jetzt als bergische Plattform etablieren – um auch die Pendelbewegungen über die Städte hinweg abzubilden.

Wie funktioniert die App?

Die Wege werden nicht nur direkt berechnet, es geht also nicht nur um den Weg vom Haus zur Arbeit. Der Algorithmus berechnet die Wege auch so, dass er dem Nutzer vorschlägt, für die letzten paar Meter noch eine Station mit der Schwebebahn zu fahren oder ähnliches. Es geht um den bestmöglichen Weg.

Ist die App denn für alle nutzbar oder auf Mitarbeitende beschränkt?

Es wird für alle möglich sein, mitzufahren, aber Mitarbeitende beteiligter Unternehmen haben erst einmal Vorteile.

Welche Rollen haben die Firmen in der Umsetzung und Finanzierung?

In der Anfangsphase brauchen wir Firmen, die sagen, sie steigen richtig ein und überzeugen ihre Mitarbeitenden. Die würden dann etwa Werbemittel bekommen und ein Dashboard, um zu sehen, wie sehr sie die eigene Mitarbeitendenmobilität beeinflussen können. Das ist auch insofern wichtig, als wir im Bergischen gut die Hälfte der Gewerbeflächen nur für Parkplätze nutzen. Das ist erschreckend und könnte deutlich weniger sein. Auch im Sinne weiterer Ansiedelungen oder Erweiterungen von Firmen. Damit reduzieren sie aber auch ihre CO2-Fußabdrücke – was wichtig ist für die EU-Nachweispflichten.

Wie viele Unternehmen sind jetzt aktiv involviert?

Wir haben genug Unternehmen dabei, um zu starten, auch die Uni und die drei Stadtverwaltungen. Wir brauchen aber alle im besten Fall – auch KMU. Wir haben für jede Größe von Unternehmen ein Paket. Für die Nutzenden von teilnehmenden Arbeitgebern wird es über Fördermittel eine Zeit lang kostenfrei sein. Ziel wäre es, über eine Solidargemeinschaft der Unternehmen das Angebot dauerhaft kostenfrei zu halten. Wenn jede Firma pro Mitarbeiter und Jahr fünf Euro in einen Topf gibt, könnte das klappen.

Wer trägt das Projekt?

BergischMove wird von der Neuen Effizienz angeboten und durchgeführt, mit Geldern des Bundesministeriums für Verkehr. Wir bekommen aber schon jetzt sehr konstruktive Unterstützung durch die lokalen Wirtschaftsförderungen, die drei Verkehrsbetriebe, vielen Unternehmen, die drei Städte und natürlich die Bergische IHK.

Das Gespräch führte Eike Rüdebusch

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