- Hauptsache gesund
Krankheitsbedingte Fehlzeiten sind für Unternehmen teuer und für Teams belastend. Die Debatte dreht sich häufig um Motivation – seltener um Prävention, Organisation und Vertrauen. Dabei ergeben sich genau hier die meisten Chancen.
Ja, es ist Winter. Das merkt man nicht nur am grauen Himmel über dem Bergischen Städtedreieck, sondern auch am Krankenstand in der Belegschaft. Fehlzeiten aufgrund von Krankheiten sind natürlich nicht nur in der kalten Jahreszeit ein Problem. Nach einer aktuellen Auswertung der DAK-Gesundheit lag er im gesamten Jahr 2025 bei 5,4 Prozent. Rein rechnerisch waren damit an jedem Kalendertag 54 von 1.000 Beschäftigten krankgeschrieben. Im Durchschnitt kamen Beschäftigte auf 19,5 Krankheitstage im Jahr, Wochenenden und Feiertage mitgerechnet. 2025 waren es 19,7 Tage. Bemerkenswert ist dabei weniger die leichte Schwankung zum Vorjahr als die Entwicklung über mehrere Jahre hinweg. Seit 2021 ist die Zahl der Fehltage deutlich gestiegen und bewegt sich nun stabil auf einem höheren Niveau. Ein Teil dieser Entwicklung hängt sicher mit der Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zusammen, durch die Krankmeldungen seit 2022 vollständig erfasst werden. Die Statistik ist dadurch genauer geworden, aber nur eingeschränkt vergleichbar mit den Vorjahreswerten.
Nach dem aktuellen Fehlzeiten-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) entfielen 2024 rund 19,8 Prozent aller Fehlzeiten auf Muskel-Skelett-Leiden, 15,1 Prozent auf Atemwegsprobleme und etwa 12,5 Prozent auf psychische Erkrankungen. Besonders letztere haben in den vergangenen Jahren zugenommen und sind oft mit längeren Ausfallzeiten verbunden.
Zuletzt hatte Kanzler Merz mit seiner Äußerung zu den Fehlzeiten deutscher Arbeitnehmer eine hitzige Debatte ausgelöst. So einfach, wie es in der politischen Diskussion bisweilen dargestellt wird, ist es jedoch nicht. Arbeits- und Gesundheitsforschung warnen seit Jahren vor sogenannten Präsentismus-Effekten – also davor, krank zur Arbeit zu gehen. Das erhöht weder die Produktivität noch senkt es langfristig Ausfallzeiten, vielmehr kann es Krankheitsverläufe unnötig verlängern und weitere Krankheitsfälle im Betrieb begünstigen. Diese Zusammenhänge gelten als gut belegt. Die reine Zahl der Krankheitstage ist also wenig aussagekräftig, wenn es um die Arbeitsmoral geht. Ein Ärgernis sind sie trotzdem. Deshalb ist gegensteuern ratsam.
Die steigenden Ausfallzahlen führen dazu, dass in vielen Betrieben Gesundheit und Arbeitsschutz stärker in den Fokus geraten sind. Prävention, ergonomische Arbeitsplätze, klare Regeln zu Sicherheit oder der Umgang mit psychischer Belastung sind heute Themen, mit denen sich Unternehmen aktiv beschäftigen müssen. Dabei geht es weniger um Zusatzangebote, sondern um die Frage, wie Arbeit organisiert ist: Wie hoch ist der Druck im Alltag? Und wie konsequent wird Arbeitsschutz tatsächlich umgesetzt?
Ein zentraler, oft unterschätzter Hebel liegt bei den Führungskräften. Arbeitsbelastung entsteht nicht nur durch eine stressige Auftragslage, sondern durch Organisation, Kommunikation und Erwartungshaltung. Wie wird mit Überstunden umgegangen? Werden Engpässe offen benannt oder stillschweigend weitergereicht? Und wie wird reagiert, wenn Mitarbeitende krankheitsbedingt ausfallen? Hier entscheidet sich, ob Gesundheit als Störfaktor behandelt wird.
Hierfür gibt es konkrete Maßnahmen, die vergleichsweise leicht umzusetzen sind. Zum Beispiel klare Vertretungsregelungen im Krankheitsfall, transparente Priorisierung bei hoher Auslastung und regelmäßige Teamgespräche über aktuelle Arbeitsbelastung. Auch die einfache Regel, dass kranke Mitarbeitende nicht in den Betrieb kommen sollen, sendet ein starkes Signal. Mittelfristig sinnvoll sind Schulungen für Führungskräfte zum Umgang mit psychischer Belastung und Gesprächsführung bei längeren Ausfällen. Aufwendiger, aber strategisch wirksam sind strukturelle Anpassungen der Arbeitsorganisation, etwa bei der Personalplanung oder systematische Gefährdungsbeurteilungen psychischer Belastung.
Erfahrungsgemäß sind es häufig nicht einzelne Maßnahmen, die etwas bewirken, sondern die konsequente Umsetzung im Arbeitsalltag. Mitarbeitende merken schnell, ob Gesundheit nur kommuniziert oder tatsächlich geführt wird.
Was dabei oft unterschätzt wird: Solche Maßnahmen wirken nicht nur nach innen. Sie senden auch ein Signal an potenzielle Bewerberinnen und Bewerber. Die haben ein Interesse daran, zu erfahren, wie Unternehmen mit Krankheitsausfällen umgehen und ob es Präventionsmaßnahmen gibt.
Dass Gesundheit und Arbeitsschutz bei der Arbeitgeberwahl durchaus eine Rolle spielen, ist durch diverse Studien belegt. Untersuchungen der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) zeigen beispielsweise, dass Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung und des Arbeitsschutzes die wahrgenommene Arbeitgeberattraktivität positiv beeinflussen. Bewerber bewerten demnach neben Bezahlung und den Karriereperspektiven auch, ob Unternehmen Verantwortung für sichere und gesundheitsgerechte Arbeitsbedingungen übernehmen. Ähnlich argumentiert das Institut der deutschen Wirtschaft (IW): In aktuellen Analysen zur Arbeitgeberattraktivität wird hervorgehoben, dass Arbeitsbedingungen und organisationale Rahmenfaktoren für potenzielle Bewerber an Bedeutung gewonnen haben. Gesundheitsschutz ist dabei nicht als isoliertes Auswahlkriterium zu sehen, er fließt aber als Teil der Gesamtbewertung zunehmend in die Entscheidung für oder gegen einen Arbeitgeber ein.
Besonders aufmerksam wird das in Branchen verfolgt, in denen Belastung zum Arbeitsalltag gehört. Dazu zählen Industrie und Produktion mit Schichtarbeit und körperlicher Beanspruchung ebenso wie Bau, Handwerk und Logistik, wo Sicherheitsfragen eine zentrale Rolle spielen. Aber auch das Gesundheits- und Pflegewesen steht seit Jahren unter hohem Druck. Selbst in klassischen Büro- und Dienstleistungsberufen rücken Themen wie Ergonomie und Stress stärker in den Fokus. Gesundheit und Arbeitsschutz sind damit keine Randthemen einzelner Branchen mehr, sie ziehen sich durch weite Teile des Arbeitsmarktes.
Hinzu kommt, dass talentierte Bewerberinnen und Bewerber heute häufig zwischen mehreren Arbeitgebern wählen können, deren Tätigkeitsprofile sich ähneln. Unterschiede entstehen dann weniger über das Gehalt als über die Rahmenbedingungen der Arbeit. Gesundheit und Sicherheit werden so zu einem stillen Unterscheidungsmerkmal. Und – bei richtiger Handhabe – zum Wettbewerbsvorteil im Recruiting.
Wer sich heute als ausgebildete Fachkraft bewirbt, bringt oft Erfahrungen aus früheren Beschäftigungen mit. Entsprechend genau wird hingeschaut: Wie wird mit Ausfällen umgegangen? Werden Belastungsspitzen abgefedert oder stillschweigend kompensiert? Gesundheit wird damit zu einer Vertrauensfrage.
Diese Vertrauensbildung erfolgt oft früher als Unternehmen vermuten. Bewerber lesen zwischen den Zeilen von Stellenanzeigen und achten im Gespräch darauf, welche Themen von sich aus angesprochen werden und welche nicht. Gibt es klare Regelungen oder ausweichende Antworten? Wo Informationen verschwiegen werden, füllen Bewerber die Lücken mit eigenen, möglicherweise negativen Erfahrungen. Transparenz schafft hier mehr Sicherheit als jede Imagebotschaft.
Gerade bei sehr jungen Bewerberinnen und Bewerbern fällt die Sensibilität für Gesundheit und Belastung ins Gewicht. Studien des SINUS-Instituts zeigen, dass junge Menschen Gesundheit zunehmend als Organisationsfrage verstehen. Entscheidend ist für sie weniger die individuelle Belastung als die Struktur der Arbeit und der Umgang mit Überforderung im Betrieb. Ähnlich argumentiert die Shell-Jugendstudie, die seit Jahren die Einstellungen junger Menschen zur Arbeitswelt untersucht. Psychische Gesundheit und Arbeitssicherheit gehören zu den Top-Themen. Außerdem wird auf verlässliche Arbeitsbedingungen geachtet – nicht als Anspruch auf Schonung, sondern als Erwartung an den Arbeitgeber.
Für Unternehmen ist das vor allem im Nachwuchs- und Azubi-Recruiting relevant. Junge Bewerber haben noch keine lange Erwerbsbiografie, dafür aber ein hohes Bewusstsein für Belastung und Grenzen. Sie fragen seltener nach einzelnen Gesundheitsangeboten, achten aber genau darauf, wie glaubwürdig Aussagen zu Arbeitsorganisation, Führung und Prävention sind. Wer hier klar kommuniziert, was möglich ist – und was nicht –, vermeidet spätere Enttäuschungen.
Für das Recruiting heißt das vor allem: Gelebter Gesundheits- und Arbeitsschutz muss sichtbar gemacht werden. Viele Unternehmen tun bereits mehr, als sie nach außen zeigen. Klare Sicherheitsstandards, ergonomische Arbeitsplätze, feste Vertretungsregelungen bei Krankheit oder ein professioneller Umgang mit psychischer Belastung sind echte Vorteile, die Bewerber interessieren. Wer offen benennt, wie Arbeit organisiert ist und welche Vorsorge getroffen wird, schafft Vertrauen und hebt sich positiv von Wettbewerbern ab.
Unternehmen können Gesundheitsthemen zum Beispiel gezielt in denRecruitingprozess integrieren. Dazu zählen kurze Hinweise auf Arbeitsschutz- und Präventionsmaßnahmen in Stellenanzeigen, transparente Aussagen zu Arbeitszeiten und Belastungsspitzen sowie konkrete Beispiele im Bewerbungsgespräch. Auch Onboarding-Prozesse sind ein Hebel: Wer neuen Mitarbeitenden früh zeigt, dass Sicherheit und Gesundheit ernst genommen werden, stärkt Bindung und schafft Vertrauen.
Entscheidend sind dabei nicht unbedingt allumfassende Maßnahmen wie etwa eine grundsätzliche Reform von Schichtplänen oder die Einführung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements. Solche Projekte benötigen Zeit und Ressourcen. Wirksamer ist die konsequente Umsetzung klarer Regeln im Arbeitsalltag – etwa bei Priorisierung, Vertretung oder Kommunikation. Fest steht: Wer Gesundheit nur verwaltet, wird im Wettbewerb um Fachkräfte langfristig nicht die erste Wahl sein.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Jahr 2025 forderten Unternehmen im Bergischen Land vieles ab. Parallel dazu verfestigt sich ein alarmierender Trend: Psychische Erkrankungen sind längst kein Randphänomen mehr, sondern eine Hauptursache für Ausfallzeiten. Aktuelle Daten der Krankenkassen (DAK/TK Gesundheitsreporte 2025) zeigen: Langzeit-Depressionen bleiben auf hohem Niveau, während stressassoziierte psychische Beschwerden und kürzere Krankschreibungen zunehmen.
Für Arbeitgeber ist nicht nur der langfristige Ausfall teuer. Ein oft unterschätztes Risiko ist der Präsentismus: Mitarbeitende erscheinen trotz massiver Erschöpfung, Schlafstörungen oder Konzentrationsmängeln am Arbeitsplatz. Die Folgen sind für Unternehmen erheblich: Sinkende Produktivität, erhöhte Fehlerquoten und gereizte Stimmung im Team. Wer psychisch angeschlagen arbeitet, ist physisch anwesend, aber mental oft nicht mehr leistungsfähig. Stress zeigt sich auch körperlich, durch Rückenschmerzen, Hautausschläge, Tinnitus oder Magenbeschwerden.
Eine offene Kommunikationskultur und das Wissen um professionelle Anlaufstellen wie die Klinik Wersbach können verhindern, dass aus einer vorübergehenden Krise eine langfristige Arbeitsunfähigkeit wird. Wir stehen Unternehmen im Bergischen Land als kompetenter Partner zur Seite, um Betroffene – ob Führungskraft oder Facharbeiter – über mögliche Hilfen zu informieren.
Wenn die Belastung bleibt, hilft auch kein freies Wochenende oder Ausschlafen mehr. Nur mit rechtzeitiger Hilfe kann der Arbeitnehmer wieder zu stabiler Leistungsfähigkeit zurückfinden. Die Klinik Wersbach in Leichlingen setzt daher auf ein integratives Fachkonzept, das weit über die klassische Gesprächstherapie hinausgeht. Als Fachkrankenhaus betrachten wir den Menschen im „biopsychosozialen Modell“ und bieten spezialisierte Kompetenzen, die uns von rein psychiatrischen Einrichtungen unterscheiden:
- Wissenschaftliche Exzellenz: Durch unsere Kooperationen, u. a. mit der Bergischen Universität Wuppertal, der Deutschen Sporthochschule Köln und der Hochschule Fresenius, fließen neueste Erkenntnisse direkt in die Therapie ein.
- Ganzheitliche Medizin: Wir behandeln gezielt die körperlichen Folgen von Stress, etwa in unserer Spezialabteilung für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Akupunktur und Entspannungsverfahren (z. B. Autogenes Training, PMR) sind bei uns keine „Wellness“, sondern medizinisch integrierte Bausteine zur Emotionsregulation.
- Tagesklinische Flexibilität: Mit der Tagesklinik Gut Landscheid bieten wir eine teilstationäre Option an, die therapeutische Intensität mit dem Verbleib im häuslichen Umfeld verbindet, was antiregressiv wirkt und Behandlungszeiten verkürzen kann.
Kontakt für Personalentscheider:
Gerne stehen wir Unternehmen im Bergischen Land als Ansprechpartner im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements oder bei akuten Fragestellungen zur Verfügung.