Bergischer Maschinenbau im Dialog mit globalen Technologieführern - Delegationsreise nach Japan

Vertreter des Städtedreiecks waren unter anderem bei Mitsubishi und Fuji zu Gast. Ein weiteres Highlight war der Besuch der International Robot Exhibition in Tokio.

Japan zählt seit den 1980er Jahren zu den weltweit führenden Standorten für Robotik und Automatisierung. Eine Delegation aus dem Bergischen Städtedreieck nutzte die Reise in die ostasiatische Industrienation, um sich vor Ort mit Unternehmen auszutauschen und aktuelle technologische Entwicklungen einzuordnen. Unternehmensbesuche, Fachgespräche und der Besuch der International Robot Exhibition (IREX) in Tokio bildeten den Rahmen des Programms.

An der Delegationsreise beteiligten sich unter Leitung der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (BSWG) mehrere Mitglieder des Maschinenbau Netzwerks Bergisch Land: Prof. Dr.-Ing. Peter Gust von der Bergischen Universität Wuppertal, Marco Horn, Ge-schäftsführer von MKW GmbH Digital Automation, Dr. Wolfram Deutsch von Karl Deutsch Prüf- und Messgerätebau, Dr. Andreas Groß, Geschäftsführer der Berger Gruppe sowie Philip Velmer, Netzwerkmanager der BSWG.

NRW.Global Business, die Außenwirtschaftsförderung des Landes Nordrhein-Westfalen, organisierte den Besuch gemeinsam mit dem Maschinenbau Netzwerk Bergisch Land. Ziel der Reise war es, den direkten Austausch mit japanischen Industrieunternehmen zu intensivieren, technologische Entwicklungen aus erster Hand kennenzulernen und neue Geschäfts-, Innovations- und Kooperationspotenziale für den nordrhein-westfälischen Maschinenbau zu erschließen.

Der industrielle Mittelstand prägte das Programm der Delegationsreise – sowohl in Nordrhein-Westfalen als auch in Japan ein zentraler Treiber für Innovationskraft, Beschäftigung und internationale Wettbewerbsfähigkeit. Inhaltlich setzte die Reise klare Schwerpunkte in den Bereichen Robotik, Automatisierung, Smart Manufacturing und Smart Factory. Ergänzend diskutierten die Teilnehmenden Fragen der Digitalisierung, der Künstlichen Intelligenz, der Industrie 4.0, der Systemintegration sowie der Internationalisierung mittelständischer Industrieunternehmen.

Die Delegation besuchte mehrere führende japanische Industrie- und Technologieunternehmen, darunter Rengo, Mitsubishi Electric, Fuji Electric beziehungsweise Fuji Corporation, Kikuchi Seisakusho, Wago Japan und DMG Mori. Vor Ort erhielten die Teilnehmenden Einblicke in hochautomatisierte Produktionsumgebungen und moderne Fertigungskonzepte. Sie diskutierten Smart-Factory-Ansätze, den Einsatz von Industrie- und sensitiver Robotik sowie KI-gestützte Steuerungs- und Qualitätssicherungssysteme. Darüber hinaus kamen strategische Themen wie globale Marktanforderungen, Fachkräftesicherung, Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und resiliente Lieferketten zur Sprache.

Ein weiterer Programmpunkt führte die Delegation zur International Robot Exhibition (IREX) nach Tokio, einer der weltweit bedeutendsten Leitmessen für Robotik und Automatisierung. Dort verschafften sich die Teilnehmenden einen Überblick über aktuelle technologische Trends, neue Anwendungen und zukünftige Entwicklungsrichtungen – von kollaborativer und sensitiver Robotik über autonome Systeme bis hin zu KI-basierten Produktions- und Assistenzlösungen. Für viele Delegationsmitglieder lieferte der Messebesuch konkrete Impulse für neue Geschäftsmodelle sowie Ansatzpunkte für Kooperationen, Technologietransfers und gemeinsame Entwicklungsprojekte.

Neben dem Fachprogramm nutzten die Teilnehmenden zahlreiche Gelegenheiten zum deutsch-japanischen Austausch. In Gesprächen mit Unternehmensvertretern, Technologieanbietern und Netzwerkakteuren zeigte sich, wie gut sich die Stärken beider Seiten ergänzen: Japans Kompetenz in der Roboter- und Automatisierungstechnik trifft auf die Engineering-, Integrations- und Anwendungskompetenz des deutschen und insbesondere des bergischen Maschinenbaus. Gerade für mittelständische Unternehmen ergeben sich daraus Perspektiven für gemeinsame Projekte und internationale Marktaktivitäten.

Auch der persönliche und kulturelle Austausch spielte eine wichtige Rolle. „Wirtschaft ist der Anlass solcher Reisen. Aber ohne das Kennenlernen von Land und Kultur fehlt etwas Wesentliches“, sagt Dr. Andreas Groß. Prof. Peter Gust, Prorektor der Bergischen Universität Wuppertal für Third Mission und Internationales, hebt den Mehrwert des „Dreiklangs aus persönlichem Austausch, inhaltlichen Impulsen – insbesondere im Bereich der sensitiven Robotik – sowie dem Verständnis für Kultur, Wirtschaft und Land“ hervor. All das habe die Reise zu einem vollen Erfolg gemacht.

In der Gesamtschau zeigte die Reise Japan als strategisch wichtigen Markt und relevanten Technologiepartner für den deutschen Maschinenbau. Der direkte Vergleich industrieller Ansätze, offene Gespräche auf Augenhöhe und die ausgeprägte Praxisnähe der Programmpunkte lieferten den teilnehmenden Unternehmen realistische Einschätzungen technologischer Entwicklungen und konkrete Anknüpfungspunkte für weitere Gespräche. Marco Horn bringt diese Einordnung auf den Punkt: „Die Japaner sind bei der Roboterherstellung ganz vorne mit dabei, aber ansonsten müssen wir uns als bergische Maschinenbauindustrie nicht verstecken.“

Aus Sicht des Maschinenbau Netzwerks Bergisch Land bestätigt die Reise den Wert internationaler Austauschformate. Sie unterstützen Unternehmen dabei, internationale Märkte besser einzuordnen.

„Die Teilnahme an solchen Delegationsreisen lohnt sich für Unternehmen in unserer Region. Der direkte Austausch vor Ort liefert Orientierung, belastbare Kontakte und realistische Einblicke in internationale Märkte. Dass diese Reisen durch das Land Nordrhein-Westfalen über NRW.Global Business ermöglicht werden, ist dabei ein entscheidender Faktor. Diese Förderangebote werden wir weiterhin nutzen. Das Maschinenbau Netzwerk Bergisch Land wird Reisen dieser Art auch künftig unterstützen und plant, erneut daran teilzunehmen“, sagt Philip Velmer, Projektkoordinator der BSWG.

Für das Maschinenbau Netzwerk Bergisch Land ergibt sich daraus das Ziel, den internationalen Dialog fortzusetzen und die geknüpften Kontakte schrittweise in konkrete Kooperationen zu überführen.

Rund 20 kleine und größere Unternehmen aus den Branchen Maschinenbau, Metallverarbeitung, Sondermaschinenbau und Werkzeugbau haben sich 2013 im Bergischen Land zusammengeschlossen – vom Kleinbetrieb bis zum Konzern. Ziel des Netzwerks ist es, den fachlichen Austausch zu fördern, Synergien zu nutzen und die Unternehmen gegenseitig zu stärken. Inzwischen kooperieren im Netzwerk knapp 50 Unternehmen.

Text: Daniel Boss

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