Regionalradar - Zahlen, Daten, Fakten
Das Regionalradar als erster Effizienzmonitor des Städtedreiecks zeigt relevante Werte zur Arbeit der drei Kommunen im Vergleich untereinander sowie im Landes- und Bundesvergleich. Warum das wichtig ist und was daraus folgt, erklären IHK-Präsident Henner Pasch und der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Thomas Grigutsch.
Welche Reaktionen gab es nach der Veröffentlichung des Regionalradars aus Unternehmen und Kommunen?
Henner Pasch: Aus der Unternehmerschaft gab es ein sehr positives Feedback, dass wir jetzt für Transparenz sorgen. Die Unternehmen sind auch interessiert daran, dass wir das Regionalradar ausbauen. Unternehmen wissen, dass man nur mit Fakten und Zahlen die Region nach vorne bringen kann. Die Reaktionen aus den Kommunen und der Politik waren verhalten. Man fasst es anscheinend eher als Kritik auf. Ich wurde gefragt, ob man nicht lieber an einem Strang ziehen wolle. Aber ich sehe keinen Widerspruch. Ich glaube, man muss eben die Basis kennen, auf der eine Zusammenarbeit fußt. Und für Politik und Verwaltung gibt es so die Möglichkeit, an den Zahlen zu arbeiten. Wenn die Zahlen schlecht sind, muss man nicht den Überbringer der Zahlen kritisieren, sondern diese verbessern. Dafür bietet das Regionalradar eine Chance. Gleichzeitig haben aber auch die BSWG, Banken oder Wohlfahrtsverbände angeboten, Zahlen zu liefern. Viele in der Region sehen den Mehr-wert im Regionalradar. Das sollten wir nutzen. Thomas Grigutsch: Andere IHKs haben auch schon Interesse an unserem Regionalradar gezeigt.
Was zeigt das Regionalradar?
Grigutsch: Das Regionalradar zeigt sogenannte KPIs, Key Performance Indicators, Leistungskennzahlen, für die drei Bergischen Kommunen – von der Anzahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter über die Kitaquote bis zur Laufzeit von Bauanträgen. Wichtig ist, dass es Zahlen sind, auf die Kommunen direkt oder indirekt Einfluss haben. Wir wollen zeigen, wie leistungsfähig Politik und Verwaltung in der Region sind – wo funktionieren Dinge gut, wo gibt es Verbesserungsbedarf? Die Idee stammt von Henner Pasch, wurde von der Vollversammlung beschlossen und weiterentwickelt. Die Basis liefert dabei HeyHugo, das Regionaldatenportal von IW Consult aus Köln. IW Consult ist eine Tochtergesellschaft des Instituts der deutschen Wirtschaft. Ergänzt werden unsere KPIs durch eigene Daten und direkte Anfragen bei den Kommunen.
Welche Werte zeigen im Vergleich am deutlichsten, wo Probleme liegen?
Grigutsch: Es gibt zum Beispiel die verbrauchsabhängigen Entgelte für die Trinkwassernutzung. Da zeigt sich sehr gut, wie unterschiedlich teuer Wasser in den drei Kommunen ist. Dazu gab es auch bereits erste Gespräche mit Verwaltung und Politik und unsere Vergleichszahlen führten da zu einigen Aha-Effekten. Unser Anspruch ist natürlich, dass wir da etwas im Sinne unserer Unternehmen bewegen können. Auf jeden Fall bleiben wir am Ball! Ein anderer Punkt ist die Zahl der Beschäftigten in den Verwaltungen, die weiter wächst und dies nicht nur in den Bereichen Bildung oder Sicherheit. Von einer digitalen Dividende – also digitale Prozesse, die zu Personaleinsparungen führen – ist da noch nichts zu spüren.
Was folgt daraus jetzt aus IHK-Sicht für die Kommunen? Was erwarten Sie?
Pasch: Meine Hoffnung ist, dass die Kommunen feststellen, dass ihnen das etwas bringt. Weil sie wissen, wo sie ansetzen müssen. Das ist ja auch eine gute Gesprächsgrundlage zwischen Verwaltung und Politik, die sich gegenseitig auf die Zahlen beziehen können bei Aufträgen und Vorlagen. Ich glaube, langfristig wird das für die Region dann auch ein Erfolgsprojekt.
Wird es Gespräche dazu zwischen Kommunen und IHK geben?
Thomas Grigutsch: Wir werden natürlich zu Gesprächen einladen – die Verwaltungen und die Wirtschaftsförderungen. Es gibt ja manchmal auch Gründe, warum man im Vergleich schlechter dasteht. Aber eben keine Therapie ohne Analyse – deshalb ist das Regionalradar so wichtig. Henner Pasch: Generell werden wir sicher vor allem über einzelne Punkte ins Gespräch kommen – wie bereits beim Trinkwasser-Entgelt passiert. Wir machen dann sicher auch Vorschläge, wie man einzelne Punkte aus Sicht der IHK verbessern kann.
Wie geht es mit dem Regionalradar weiter?
Grigutsch: Wir prüfen aktuell gut 35 Werte darauf, ob und wie wir sie einbinden können. Wir werden das Regionalradar also nach und nach ausbauen. Wichtig ist uns, dass die Werte stichhaltig sind. Deshalb werden sie vorab immer sehr sorgsam recherchiert. Wir haben das Regionalradar zudem auch bei der DIHK-Vollversammlung in Berlin vor allen deutschen IHKs vorstellen dürfen, dort ist es auf großes Interesse gestoßen. Es besteht also die Hoffnung, dass weitere Regionen hinzukommen.
Das Gespräch führte Eike Rüdebusch.