Neu in Solingen-Burg - Der Bergische Genuss-Flow

Tradition meets Innovation: In Unterburg hat sich eine neue Art der Bergischen Kaffeetafel etabliert. Barbara Seidel und ihr Team bieten das üppige Mahl als Büfett an und berufen sich auf den ursprünglichen Ablauf, der seit dem 18. Jahrhundert Bestand hat.

Ein all-you-can-eat-Büfett klingt nach Massen-Abfertigung, ist aber genau das Gegenteil. Beim „bergischen Genuss-Flow“, so der Name der von Barbara Seidel konzipierten Form der Bergischen Kaffeetafel, geht es so individuell und ungezwungen zu, dass selbst Jugendliche Spaß daran haben, auch wenn es mal länger dauert.

Denn der Festtagsschmaus, zu dem Familien im Bergischen Land schon seit dem 18. Jahrhundert zusammenkommen, kann schon mal mehrere Stunden in Anspruch nehmen. „Schließlich brachte traditionell jeder etwas mit und gegessen wurde sowohl süß als auch herzhaft“, erläutert Barbara Seidel die kleine Historie des traditionellen Essens. Und so hat sie auch die vier Stationen des Genuss-Flows auf Grundlage dieser alten Tradition gestaltet: Auf den ersten Gang, bestehend aus einer mit Butter, „Prummous“ alias Pflaumenmus sowie einer fingerdicken Schicht „stiewen Ries“ (steifen Reisbrei) mit etwas Zimt und Zucker bestrichenen Scheibe „Krentensemel“ (Korinthenstuten), folgt als zweiter Gang eine Bergische Waffel, traditionell mit Apfelmus, alternativ auch gern mit den beliebten heißen Kirschen plus Sahne.

Beim dritten Gang kann „Schwattbruat“ (Schwarzbrot) mit Butter und „Klatschkaes“ (Quark), mit diversen Käsevariationen und/oder Wurst und Schinken belegt werden. Sogar geräucherte Mettwurst, bekannt als „Kottenbutter“, sowie Senf und Zwiebeln stehen bereit. Zum Schluss hat man noch die Qual der Wahl zwischen appetitlich aufgeschnittenen Stückchen Kirschstreusel und Käsekuchen. Klassisch abschließen könnte man die Mahlzeit dann noch mit einem Klaren („Kloarer“) oder Aufgesetzten („Opjesadden“).

Dass das Dürpellos mit dem Claim „Deine kleine Flucht ins Bergische – mit Sahne obendrauf“ wirbt, kommt nicht von ungefähr – stammt die 40-Jährige doch aus Düsseldorf und erhält viel Besuch von Familien und Freunden aus dem Rheinland. „Nebenher“ betreiben sie und ihre Familie auch das charmante Boutique-Hotel „Zur Burgstiege“, das fußläufig zu erreichen ist.

„Mit unserem Angebot wollen wir die alte bergische Tradition der Kaffeetafel feiern und wieder aufleben lassen“, erklärt Barbara Seidel. Dabei ginge es ihr nicht darum, dass die Gäste ihrer Empfehlung eins zu eins folgen, aber: „Dass es eine von früher verbreitete Reihenfolge der Gänge gibt, möchte ich schon vermitteln – wenn­gleich natürlich nach Lust und Laune kombiniert werden darf.“

Ebenso im reichhaltigen Angebot des Büfetts sind Burger Brezeln, die es in Solingen-Burg schon seit über 200 Jahren gibt. Das Zwieback-ähnliche Hefe-Gebäck diente früher vor allem als gut haltbarer Wanderproviant. Alle Speisen im Dürpellos gibt es auch glutenfrei. Und auch Vegetarier, Veganer und Allergiker kommen auf ihre Kosten.

Im Gastraum mit knarrenden Dielen und Kronleuchtern finden sich auf den schön gedeckten Holztischen auch die traditionellen „Dröppelminnas“. Ihren Namen hat die ur-bergische, bauchige Kaffeekanne aus Zinn vom langsamen Tröpfeln, „Dröppeln“, des Kaffees, wenn man den kleinen Zapfhahn behutsam umlegt, sowie dem früher üblichen Spitznamen für „Wilhel­mine“, was allgemein für „Haushilfe“ stand. Die Dröppelminnas im Dürpellos wurden übrigens eigens in einer Manufaktur in Wermelskirchen angefertigt.

Nach gut zwei Stunden bergischem Genuss-Flow „met allem Dröm on Dran“ rollt man quasi nach Hause ... oder wandert noch ein Stück, um wenigstens ein paar Kalorien wieder abzutrainieren – am besten gleich den Berg rauf zu Schloss Burg.

Text: Liane Rapp

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