Erfolgreiches Start-up - Den Rücken dauerhaft stärken
Christian Senfleben verfolgt mit seinem Start-up Wellenpuls die Vision, Rückenschmerzen langfristig aus dem Kreis der Volkskrankheiten zu verdrängen. Das junge Unternehmen ist im Solinger Gründerzentrum ansässig und auch bei Wettbewerben erfolgreich.
„Ich hab‘ Rücken“ – was Kultfigur Horst Schlämmer (Hape Kerkeling) bei seinen Auftritten eher beiläufig erwähnt, findet im Publikum gleichwohl großen Anklang. Zumal auch dort offenbar ein hoher Anteil von Leidensgenossen sitzt, die mit Rückenbeschwerden zu kämpfen haben. Immerhin: Rückenschmerzen sind die zweithäufigste Ursache für langfristige Krankschreibungen und gelten als Volkskrankheit Deutschlands.
Klassische Rückenbeschwerden können vielfältige Ursachen haben. Das Thema hat Christian Senfleben schon immer interessiert. Zumal der heute 27-Jährige im Alter von 16 Jahren Rückenbeschwerden am eigenen Leibe erfahren hatte. Und er sich damals fragte: „Woran liegt das?“ Er ging zum Arzt, bekam Krankengymnastik verschrieben, vollzog Übungen: „Es wurde dadurch etwas besser, aber die Schmerzen insgesamt habe ich nie ganz wegbekommen“, sagt Senfleben.
Damit zufrieden geben wollte sich der junge Mann aber nicht. Für das Studium ist Senfleben zur Deutschen Sporthochschule nach Köln gekommen. Dort hat er zunächst einen Bachelor-Abschluss in Sportwissenschaft gemacht. Im anschließenden Biomechanik-Masterstudium wollte sich Senfleben mit der häufig gestellten Diagnose „unspezifische Rückenschmerzen“ nicht zufriedengeben. „Solche Begriffe sind Verlegenheitsdiagnosen“, sagt er. Ziel seiner Forschung war es, die Ursachen besser zu verstehen und gezielt zu adressieren.
Eine Studie mit 60 Probanden führte er 2023 durch, in der er ein Gerät, ähnlich einem Nierengurt und vom Gründer selbst entwickelt, testete, das neuromuskuläre Elektrostimulation nutzt, um die Tiefenmuskulatur im Rumpf zu stärken. Dieses schnallt man sich um die Taille, es werden dabei Muskelkontraktionen und somit eine Kräftigung der Muskulatur ausgelöst. Senfleben: „In der Studie haben wir den entwickelten Prototyp mit einem klassisch verordneten Rückentraining verglichen.“
Unter den Probanden seien viele gewesen, die den Prototyp direkt kaufen und auf Rückenschule und Übungen verzichten wollten. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse, zusammen mit den Rückmeldungen der Probanden während der Studie bewegten Senfleben dazu, ein eigenes Unternehmen zu gründen.
Mitte 2025 kam der Wellenpuls LWS auf den Markt, der bereits im Juni 2024 zum Patent angemeldet wurde und mit elektrischen Impulsen die oft geschwächte Tiefenmuskulatur im Rumpf aktiviert. „Das Trainingsgerät wird kontinuierlich weiterentwickelt“, sagt Senfleben. Der Gürtel ist für einen Taillenumfang von 78 bis 130 Zentimetern ausgelegt, verfügt über einen wiederaufladbaren Akku und bietet zusätzlich eine integrierte Wärmefunktion.
Den Kontakt zu Solingen Business knüpfte Senfleben im Rahmen einer Start-up-Veranstaltung in Düsseldorf. Die Unterstützung durch die Wirtschaftsförderung in Form von Beratung, Coaching und eines Arbeitsplatzes im Coworking-Space war für den Jungunternehmer höchst förderlich. In Haus 4 des Gründerzentrums an der Grünewalder Straße ist das junge Unternehmen ansässig. Zudem erfolgreich: „Wir konnten bereits über 100 Geräte verkaufen und haben fast ausschließlich positives Feedback von unseren Kunden erhalten“, sagt Senfleben. Überdies hat er Angebote im betrieblichen Gesundheitsmanagement entwickelt, um Arbeitsausfallkosten aufgrund von Rückenschmerzen zu reduzieren. Ein erstes Pilotprojekt starte noch im Frühjahr mit einem Familienunternehmen aus Wuppertal.
Einen internationalen Erfolg kann Senfleben ebenfalls für sich verbuchen: Beim World Congress der Junior Chamber International (JCI) in Tunis hat Christian Senfleben als erster Deutscher den Creative Young Entrepreneur Award gewonnen. Im Finale setzte er sich gegen zehn weitere Finalisten aus aller Welt durch.
Text: Uwe Vetter