Entstanden aus dem Werkzeugexport - Fare lässt keinen im Regen stehen

Das Remscheider Unternehmen Fare entwickelte sich von reiner Exportfirma zu einem weltweit erfolgreichen Entwickler von Schirmen. Große Automarken und Sportvereine zählen heute zum Kundenstamm.

„Was wir machen, können sich viele nur schwer vorstellen“, sagt Volker Griesel und lacht. Griesel ist Geschäftsführer der Firma Fare – Guenther Fassbender GmbH in Remscheid, die seit vielen Jahrzehnten hochwertige Schirme entwickelt. Dabei begann die Geschichte des Unternehmens ganz anders. „Mein Vater ist 1956 in die Firma eingestiegen. Zu dieser Zeit hat das Unternehmen alles Mögliche in die Welt exportiert, allen voran stand der Werkzeugexport. Da war von Schirmen noch keine Rede“, so Volker Griesel, seit 1999 Geschäftsführer in zweiter Generation.

Auf einer seiner Reisen hat Vater Gerhard 1962 einen Geschäftsmann kennengelernt, der eine Schirmfabrik in Japan hatte. Von nun an wurden durch die Firma Fassbender, wie sie damals noch hieß, Schirmgestelle importiert. Das war der Beginn der heutigen Erfolgsgeschichte, die in Remscheid geschrieben wird. In den 70er Jahren wurden die Verbindungen nach Japan aus Kostengründen beendet, Taiwan war das neue Partnerland. Nachdem auch Schirmfabriken in Frankreich und Belgien von Fassbender beliefert wurden, konzentrierte sich Gerhard Griesel immer mehr auf das Thema Schirme.

Irgendwann Ende der 70er Jahre war es dann soweit, dass das Unternehmen die komplette Beschaffung von Modeschirmen für die größte deutsche Schirmfabrik in Wuppertal übernahm. Gemeinsam entwickelte man den Schirm „Schwupps“, den ersten Taschenschirm in Europa, der sich auch automatisch wieder schließen ließ. Das war Ende der 80er Jahre. Zu dieser Zeit verlagerte man die Schirmfertigung von Taiwan, auch hier wurde es zu teuer, nach China. Diese Geschäftsbeziehungen haben bis heute Bestand. „Wir würden gerne hier selbst produzieren, aber es ist einfach nicht umsetzbar. Eine Infrastruktur wie in China gibt es so hier nicht, und die Kosten würden explodieren.“

Anfang der 90er brach mit der Insolvenz der Wuppertaler Schirmfabrik der größte Kunde weg. „Das war eine Katastrophe für uns. Damals haben wir dann den Schritt gewagt, selbst in den Vertrieb zu gehen“, so Volker Griesel. „Uns war klar, dass es den Markt gibt. Aber wir mussten professioneller werden.“ 1993 wurde der erste vollständige Katalog veröffentlicht und das Unternehmen konzentrierte sich auf Werbeschirme im hohen Qualitätsbereich. Drei Umsatzsäulen hat die GmbH heute. Zum einen sind es unifarbene Schirme, die in Europa und darüber hinaus vertrieben werden. „Davon haben wir rund zwei Millionen auf Lager“, so Griesel. Die zweite Säule ist die Veredelung der Ware mit Dienstleistern aus der Region. „Dazu muss man wissen, dass der Schirmdruck bestimmte Anforderungen hat, daher werden Sonderanfertigungen, und das ist unsere dritte Säule, die wir vor Ort nicht anfertigen können, direkt in China produziert.“ 2007 wurde die ehemalige Guenther Fassbender Inh. Gerhard Griesel GmbH in Fare – Guenther Fassbender GmbH um­benannt.

Zu den Kunden des Unternehmens, das vorrangig im B2B-Sektor tätig ist, zählen heute große Automarken, Sportvereine oder Landmaschinenhersteller. „Wir sind hauptsächlich im Marketingbereich tätig. Auch ein Grund, warum wir auf die Preise achten müssen. Am Ende haben die Firmen ein gewisses Marketingbudget zur Verfügung. Und Schirme, die zu teuer sind, nimmt uns keiner ab.“ Zwar ist Fare auch im B2C-Bereich tätig, darauf liegt aber nicht der Fokus. „Man findet uns online und wir haben 2016 unseren Werksverkauf hier am Standort eröffnet. Dort kann man auch Schirme reparieren lassen.“

Knapp 70 Mitarbeitende hat Fare heute, die neben Regenschirmen auch Sonnenschirme veredeln und vermarkten. Nach mehreren Expansionen sind sie auf rund 10.000 Quadratmetern mit eigenem Showroom, der für Veranstaltungen gemietet werden kann, ansässig. „Wir haben viele Mitarbeiter, die seit Jahren bei uns sind. Daher greifen wir in der Entwicklung oft auf den Ideenfundus unserer Mitarbeitenden zurück, so dass die meisten Ideen intern geboren werden“, so der 56-Jährige.

Text: Desirée Brünger

Mit Ihrer Erlaubnis verwenden wir Google Analytics, um den Traffic auf dieser Website zu analysieren. Sie können Ihre Entscheidung jederzeit unter Datenschutzerklärung ändern.