Hofläden im Bergischen Land - Einkauf beim Bauern

Bundesweit nimmt die Zahl der Hofläden zu. Auch im Städtedreieck haben Kundinnen und Kunden die Möglichkeit, direkt vom Erzeuger zu kaufen, oder zumindest frische Ware aus der Region mit kurzen Lieferwegen und persönlichen Kontakten.

Rund um Wuppertal, Solingen und Remscheid: viel Wald, grüne Felder und Bauern, die hier im Bergischen Landwirtschaft betreiben. Immer mehr von ihnen setzen auch auf die Direktvermarktung ihrer Produkte und verkaufen Kartoffeln, Eier und Co. im eigenen Laden.

Eine von ihnen ist Julia Höffken, 56, aus Solingen. Die gelernte Gärtnerin der Fachrichtung Baumschule übernahm zusammen mit ihrem Mann Theo, 63, vor 33 Jahren den Hof seiner Eltern, den diese seit Anfang der 1950er- Jahre betrieben hatten. „Damals lebten hier unter anderem über dreihundert Mastschweine und auf den Feldern wurde konventionell Getreide angebaut“, berichtet sie. Mit viel Enthusiasmus krempelten die beiden den Hof in einen Naturland-Betrieb um. 60 Stunden-Wochen waren damals keine Seltenheit, sagt sie zurückblickend: „Man muss aufpassen, dass man daran nicht kaputtgeht.“ Die Arbeit wurde dann auch erst mal nicht weniger, als sie den bestehenden Hofladen Stück für Stück ausbauten und sich schließlich 2016 für einen modernen Anbau und damit für hohe Investitionen entschieden.

„Ich bin sehr glücklich, dass wir diesen Schritt gewagt haben“, sagt Julia Höffken und lächelt. Mittlerweile beschäftigt sie acht Mitarbeiterinnen und hat den Hofladen an fünf Tagen in der Woche geöffnet. Um die 27 Hektar Land kümmert sich ihr Mann, unterstützt von Sohn Benedict. Sie muss zusammen mit ihrem Team, darunter Tochter Katharina, die den Hofladen perspektivisch übernehmen möchte, dafür sorgen, dass möglichst alles, was die Kunden wünschen, auch in den Regalen zu finden ist. „Anfangs haben wir ja hauptsächlich das verkauft, was wir selbst produziert haben. Nach und nach kamen Produkte auch von anderen zertifizierten Biobauern dazu. Aber irgendwann reichte das nicht mehr. Wenn die Kunden extra zu uns rauskommen, dann muss sich das für sie auch lohnen.“ Und so gibt es heute im Et Höffken, so der Name des Ladens, nicht nur selbstangebauten Salat, Kräuter und Gemüse sowie Eier von den eigenen Hühnern, sondern Hunderte anderer Produkte, die kontrolliert biologisch produziert wurden, darunter auch Nudeln, Mehl, Kaffee, Tee, Süßwaren und Getränke. Große Nachfrage finden auch die Milchprodukte, Brot und Gebäck sowie das Fleisch unter anderem von frisch geschlachteten Hühnern. „Vor allem die Lagerlogistik ist eine große Herausforderung“, sagt Julia Höffken und betont, dass es ohne ein großes Kühlhaus nicht geht. „Dass wir heute auf soliden Füßen stehen und eine treue Kundschaft haben, war und ist kein Selbstläufer“, so die Geschäftsfrau. Sie versucht, stets ein offenes Ohr für ihre Kundschaft zu haben, engagiert sich in der Stadtgesellschaft und gibt ihr Wissen rund um nachhaltige Produktion und kontrolliert biologischen Anbau auch gern weiter.

Dass ein Hofladen mit großem Sortiment kein Selbstläufer ist, bestätigt auch Kathrin Bröcker, die auf Gut zur Linden den dazugehörigen Hofladen in Wuppertal-Vohwinkel an der Grenze zu Gruiten betreibt. Seit 1988 gibt es die Verkaufsstelle, in der Bröckers nicht auf Bio, aber auf ein vielseitiges Angebot an frischen, saisonalen und hausgemachten Produkten setzen. „Uns ist wichtig, dass wir die Landwirte und Produzenten kennen, mit denen wir zusammenarbeiten“, betont Kathrin Bröcker. Und so beziehen sie das Brot etwa von Policks Backstube, Milchprodukte vom Hielscher Hof in Witzhelden und saisonales Obst und Gemüse vom Niederrhein. „Wir setzen bewusst auf eine Mischkalkulation“, sagt Kathrin Bröcker. „Einerseits vermarkten wir im Laden die Eier unserer rund neunhundert Hühner, die in sogenannten Mobilställen auf unseren Feldern leben, verkaufen aber ebenso den daraus extern hergestellten Eierlikör sowie die aus Bröckers Eiern produzierten Nudeln. Ebenso gibt es bei uns Getreide, Schrot, Mehl, Müsli, Dinkel und Dinkelprodukte, die von unseren Feldern stammen, und das Fleisch unserer Rinder, unter anderem als Hackfleisch oder Gulasch, sowie hausgemachte Konfitüren. Andererseits bieten wir bestimmte andere Produkte von regionalen Partnern an.“

Im Sommer kann man im Laden Sonnenblumen und Blumensträuße von den eigenen Feldern kaufen oder alternativ auf den Blumenfeldern selbst pflücken. Ebenso verpachten Bröckers ganze Parzellen, auf denen man sein eigenes Gemüse oder Salat anbauen kann. Rege wird auch der Verkaufs-Automat frequentiert, gerade an Wochenenden und nach Geschäftsschluss. „Mein Ziel ist es, die Weiterverarbeitung unserer eigenen Produkte weiter voranzutreiben. Denn die bekommt man eben nur bei uns und das ist eine gute Möglichkeit, sich auch langfristig am Markt zu behaupten.“

Das möchte auch Heike Hennig vom Hof Schröer. Vor zwei Jahren haben sie und ihr Bruder Michael Schröer den elterlichen Hof in Wuppertal-Wichlinghausen übernommen, er konzentriert sich auf den Hof, sie auf den Hofladen. Hauptberuflich arbeitet sie als Industriekauffrau. „Wir lieben den Hof und auch den Laden, den unsere Eltern aufgebaut haben. Dennoch möchte ich meinen Beruf nicht aufgeben. Insofern ist unser Hofladen nur abends zwischen 17 und 19 Uhr und samstags geöffnet“, erklärt Heike Hennig. Gelegentlich helfen Bekannte aus, „und auch meine Eltern sind ab und an vor Ort, so behalten sie den Kontakt zu den Kunden, was ihnen wichtig ist.“ Auch für Heike Hennig sind die langjährigen Beziehungen zu den Lieferanten eine wichtige Säule des Erfolgs von Schröers Hofladen. „Selbst produzieren wir nicht mehr, haben die Felder verpachtet. Deshalb beziehen wir etwa die Eier vom Geflügelhof in Velbert-Neviges, die Kartoffeln von Gut Breckhausen und unsere Äpfel vom Obsthof in Wachtberg-Werthoven. Das sind alles Produzenten, die wir persönlich kennen und auf deren Qualität wir uns verlassen können.“

Käse und ausgesuchte Milchprodukte erhält sie vom Thomashof in Burscheid, Wurst vom Gut Katers in Mettmann und Wein vom befreundeten Winzer an der Nahe. „Es liegt uns daran, die heimische Landwirtschaft zu unterstützen“, bekennt Heike Hennig. „Außerdem sehen wir uns als Gegenentwurf zum schnellen Einkauf im Supermarkt. Wenn möglich, setzt man sich schon mal auf ein Schwätzchen zusammen auf die Bank. Denn auch deshalb kommen die Leute zu uns, teils mit dem Rad aus der Nachbarschaft, weil sie hier keine Nummer sind und eine Art Entschleunigung finden.“

Im Sommer nimmt Heike Hennig auch gern Erdbeeren mit ins Sortiment, sonst aber ist sie vorsichtig mit Waren, die schnell ablaufen: „Wir möchten nichts wegschmeißen und verantwortungsvoll mit den Lebensmitteln umgehen. Deshalb haben wir uns etwa gegen frisches Gemüse entschieden, auch wenn ich es grundsätzlich toll fände, viel Frisches anzubieten, aber dafür ist unser Laden dann vielleicht doch zu klein.“

Eine andere Entwicklung haben die Verantwortlichen der sozialtherapeutischen Einrichtung Hof Sondern e. V. in Wuppertal-Beyenburg gewählt. Sie schlossen sich mit ihrem Hofladen, der 1982 als Naturkostfachgeschäft gegründet wurde, der Marke „Bio Markt“ an und können so ein großes Sortiment anbieten. Darüber hinaus kann man vor Ort auch gemütlich im Mini-Café eine Pause einlegen.

Für eine andere Alternative entschied sich die Hof Kotthausen gGmbH, ebenfalls in Wuppertal-Beyenburg ansässig. Sie sattelte auf die mobile Belieferung der Kunden im Bergischen mit der „Biokiste“ um. Familie Meinsma in Solingen-Gräfrath hingegen verkauft ihre Produkte sowohl im Bauernladen als auch über den Verkaufsautomaten in der so genannten Landhütte. Darüber hinaus haben die Meinsmas eine große Fangemeinde, die auf den Feldern wahlweise Erdbeeren, Blumen oder Bohnen selber pflückt.

Bekannt ist auch, vor allem auf den Remscheider Wochenmärkten, Bauer Kempe. Der in der siebten Generation familiengeführte Traditionshof steht vor allem für Premiumfleisch aus dem eigenen Damwild-Gehege sowie Geflügelfleisch-, Wurst- und Grillspezialitäten. Auch Familie Kempe betreibt einen Hofladen, ländlich gelegen im Osten der Stadt, und mit dem Schwerpunkt auf Fleisch, Wurst, Eiern und „deftiger Bauernkost“ in der Dose. Der vor dem Laden aufgestellte Verkaufsautomat sorgt dafür, dass niemand hungrig nach Hause gehen oder fahren muss. Und so haben sich viele Bauern in der Region neue Geschäftsideen einfallen lassen.

Text: Liane Rapp

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