Traditionsgastronomie in der Nordstadt - Der Nordpol in Wuppertal
Die Wuppertaler Nordstadt ist ein lebendiges Quartier zwischen dem Luisenviertel und dem Mirker Bahnhof, das viele Highlights und Geheimtipps umfasst. Die Gaststätte Nordpol gehört definitiv dazu. Und das schon seit 1912.
Während es auf dem Ölberg, dem südlichen Teil der Nordstadt, einige Gastronomiebetriebe gibt, sieht es nördlich der Hochstraße schon etwas dürftiger aus. Hier hält vor allem der Nordpol an der Kreuzung Nordstraße/Markomannenstraße die Fahne hoch, eine Gaststätte im Familienbetrieb, die mit Charme, Bodenständigkeit und mit guter Küche überzeugen kann. Betrieben wird die Lokalität von Nizza und Rudi Basic. Basic kam als Kind mit seinen Eltern 1968 aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland, 1972 landeten sie in der Nordstadt, in der er auch aufwuchs. 1991 haben die beiden den Laden übernommen – und feiern in diesem Jahr ihr 35-jähriges Bestehen. „Meine Eltern haben auch schon Gastronomie gemacht und ursprünglich wollte ich das nie machen“, erzählt Rudi Basic. In den Jahren vor der Übernahme wohnte die Familie in Dortmund, aber es zog sie in die Heimat zurück und dann, „ja dann war da diese verrückte Idee, ein Lokal aufzumachen.“
Die Gaststätte selbst gibt es allerdings schon seit 1912, wie Rudi Basic erzählt, „möglicherweise schon seit 1890, aber nachweisbar auf jeden Fall seit 1912 und das auch schon unter diesem Namen. Damals war es eine gutbürgerliche Gaststätte, in der die gehobene Gesellschaft verkehrte.“ Der Nordpol Anfang der 90er Jahre lebte vor allem von seinen knobelnden Stammgästen. Es gab zwar auch schon Küche, aber nicht in dem Ausmaß wie heute. Die Basics haben sie kontinuierlich weiterentwickelt und die Speisekarte erweitert, aber nicht überladen. Die Karte umfasst vor allem gut bürgerliches Essen sowie Gerichte aus der Heimat seiner Eltern – traditionelle Klassiker, wie diverse Schnitzelvarianten, Cevapcici oder Pljeskavica, die sich hier vereint auf der Speisekarte finden, ebenso wie einige vegetarische Gerichte. Eine einfache und ehrliche, aber eben dadurch auch eine sehr stimmige Auswahl an Speisen, die gut ankommt.
Neben Speis und Trank bietet der Nordpol auch eine Kegelbahn an, die es schon seit den 30er Jahren gibt und die sogar unter Denkmalschutz steht. Es ist die einzige Kegelbahn in der Gegend. Viele Gaststätten haben ihre Bahnen Ende der 90er und Anfang der Nuller Jahre rausgerissen, was viele später bereut haben. Aber mittlerweile gibt es auch keine anderen Gaststätten hier in der unmittelbaren Umgebung. Als sie den Laden übernommen hatten, waren es noch neun, berichtet Rudi Basic.
Während seine Frau Nizza Vollzeit im Nordpol arbeitet, vor allem in der Küche, hat Rudi Basic erstaunlicherweise noch einen Hauptjob. Er arbeitet bei Spielhoff, einer Firma, die Arbeitsbühnen und Lifte vermietet. Ohne diesen Job wäre es vor allem in den 90er- und Nuller-Jahren schwierig gewesen, wirtschaftlich zu überleben. Heutzutage ist er froh, dass er diese Sicherheit im Hintergrund hat. Aber froh ist er vor allem über seinen Job als Teilzeitgastronom in dem Viertel, in dem er aufgewachsen ist und in dem er mit seiner Familie lebt. Hier haben Nizza und Rudi einen Ort geschaffen, in dem Menschen zusammenkommen, um sich zu unterhalten und eine schöne Zeit zu haben. Ein Ort, der schon viele Geschichten geschrieben hat und der noch viele weitere schreiben wird. Der Nordpol ist ein Stück gelebter Wuppertaler Stadtgeschichte.
Text: Tassilo Dicke