Geflügelhof in Familienhand - Moderne Tierhaltung mit Verantwortung
In sechster Generation betreiben Robin Kottsieper und seine Frau Anna gemeinsam den Remscheider Geflügelhof Kottsieper. Ihre Leidenschaft für regionale Lebensmittelproduktion stützt sich auf neueste Forschung und moderne Landwirtschaft.
Die Menschen in Deutschland essen immer mehr Eier, zuletzt stieg der Jahresverbrauch pro Kopf laut Bundesinformationszentrum Landwirtschaft auf 252 Stück. Zwei von drei Eiern werden importiert, in Nordrhein-Westfalen liegt der Anteil der hier produzierten Eier bei gerade einmal 30 Prozent. Gleichzeitig sorgen sinkende Tierbestände und neuartige Krankheitserreger für besorgniserregende Nachrichten. Bei Klärungsbedarf kontaktiert die lokale Presse gerne Robin Kottsieper. Der 34-jährige Geschäftsführer des gleichnamigen Geflügelhofs kann so einige Zweifel datenbasiert aus dem Weg räumen, was er auch gerne tut. Robin und Anna Kottsieper führen den Betrieb mit 35 Mitarbeitenden seit 2019 und stehen mit Überzeugung für ihre Mission ein, die Region über kurze Lieferwege mit guten und gesunden Lebensmitteln zu versorgen.
Lange Tage, Schichtbetrieb, wenig Urlaub und hohe Verantwortung für die Tiere. Es hilft ihnen, dass sie beide in landwirtschaftlichen Betrieben aufgewachsen sind, gibt das Ehepaar zu. Nach ihrem Studium der Agrarwissenschaften konnten sie beide Erfahrungen in der Wirtschaft sammeln: Robin arbeitete in der Tierzucht und verkaufte Stalleinrichtungen, Anna, deren Familie seit zwanzig Generationen einen Milchbetrieb im Hochschwarzwald unterhält, arbeitete in einer steuerrechtlichen Beratung für Agrarunternehmen. Bei 35 Millionen Eiern im Jahr kann man nicht mehr von einem kleinen Bauernhof sprechen, aber Vertrieb und Marketing kommen hier aus einer Hand. Mit auf dem Hof leben die Großeltern, Karl-Frieder und Susanne Kottsieper, die den jungen Eltern mit ihren drei Kindern beim Kita-Ausfall unter die Arme greifen.
Die Firma folgt der Tradition einer jungen Nachfolge, erzählt Robin Kottsieper, auch sein Vater übernahm schon mit 27 Jahren. „Wir begreifen uns als Lebensmittelunternehmen und modernisieren“, sagt Anna Kottsieper. Ob Stalleinrichtungen, das Warenwirtschaftssystem, KI-gesteuerte Eierdurchleuchtung oder die bunten Eierkartons. Seit 2016 baut der Geschäftsführer sein eigenes Heimatfutter auf der rund 85 Hektar großen Agrarfläche an. Eier mit visuellen Mängeln werden hier seit 2020 wie nur von wenigen Großbetrieben pasteurisiert, homogenisiert und als Vollei für lokale Backwarenbetriebe abgefüllt.
Eine familiengeführte Landwirtschaft denke immer in Kreisläufen und Generationen, damit die nächste weitermachen kann, erklärt Anna Kottsieper. Bei einem Geflügelhof dieser Größe gehe Nachhaltigkeit mit Gesetzen und Pragmatismus einher. Obwohl sie gerne mehr Freilandhaltung hätten, sind die vier Quadratmeter pro Huhn nicht überall verfügbar. Dafür bietet der Wintergarten in der Bodenhaltung nicht nur genug Scharrfläche, sondern auch Regenschutz. Zwei Jahre lang können die Legehennen dank guter Bedingungen überdurchschnittlich lange gehalten werden, bevor sie ausgestallt werden. Seit 2018 nimmt Kottsieper am Geschlechtsfrühbestimmungsverfahren teil und lässt nur die weiblichen Bruteier ausbrüten. Lebensmittelsicherheit werde nun mal anders als im Bilderbuch gewährleistet, aber es laufe heute viel besser und professioneller ab, sagt Kottsieper zuversichtlich.
Der Mensch mache bei Hühnern häufig einen Analogiefehler, erklärt der Geflügelfachwirt, der seine Masterarbeit über das Auslaufverhalten von Legehennen geschrieben hat. So hocken sich die Tiere zum Schlafen aus Schutzbedürfnis eng zusammen und sprühen keine Freudefunken bei freiem Himmel ohne Unterschlupf. Wie viel Platz ein Huhn nach Gesetz benötigt, um seine natürlichen Bewegungskreise ausleben zu können, werde nach Erkenntnissen der Wissenschaft erarbeitet, so Kottsieper, und da stehe Deutschland im europäischen Vergleich gut da.
Text: Evgenia Gavrilova