Vom Hobby in die Selbstständigkeit - Treffpunkt für Bandmusiker
Der gelernte Sozialpädagoge Norbert Weinrowsky hat vor gut zweieinhalb Jahren den Briller Stromgitarrenladen in Elberfeld eröffnet. Im Mittelpunkt steht der An- und Verkauf von E-Gitarren und E-Bässen sowie dem passenden Zubehör.
„Das ist das Herz meines Ladens. Der Nachhaltigkeitsgedanke. Wir haben es hier mit einer Technik zu tun, die man noch reparieren kann. Bis heute. Auch die neuen Modelle sind ähnlich gebaut wie in den 60ern. Diese Instrumente sind quasi unkaputtbar. Und werden sogar mit den Jahren vom Klang her eher noch besser“, weiß der 55-jährige Inhaber. „Ich möchte gegensteuern gegen die heutige Ex-und Hopp-Mentalität.“
Mehr als 30 Jahre hatte Norbert Weinrowsky zuvor „semiprofessionell“, wie er selbst sagt, in einer Band gespielt. Natürlich E-Gitarre. „Wir waren viel unterwegs, haben Platten aufgenommen, alles, was so dazu gehört“, erinnert er sich. Vor gut sechs Jahren hat er aufgehört und erst dann begonnen, sich mit dem Instrument, das er jahrelang gespielt hat, näher zu beschäftigen. „Ich habe angefangen, E-Gitarren zu sammeln. In meinem Keller fing alles an, und die Leidenschaft wurde immer größer und größer.“ Er habe schnell gemerkt, dass es viele Menschen gibt, die diese Leidenschaft teilen. „Irgendwann war mir klar, dass ich so einen Laden machen muss. Ich hätte mich total geärgert, wenn mir jemand zuvorgekommen wäre. Und dann habe ich es einfach gemacht.“ Von der Idee bis zur Umsetzung hat es ein gutes halbes Jahr gedauert. „Das Ladenkonzept war klar. Die Menschen sollten sich hier begegnen können. Aber ich wollte auch Service anbieten und eine eigene Werkstatt haben.“
Und dann war es ein wenig das Schicksal, das Norbert Weinrowsky unter die Arme gegriffen hat. Während der Einrichtung seines Ladens kam Reiner Bigge vorbei, seines Zeichens Gitarrenbauer, und bot an, ihn bei seinem Vorhaben zu unterstützen. „Das war Glück zum richtigen Zeitpunkt. Heute ist Reiner mein Mitarbeiter und wir schmeißen den Laden hier zusammen“, so der Wuppertaler. „Ich sage immer: ‚In dem Moment, wo man etwas macht, tun sich Wege auf.‘ Und so war es ja auch.“
Sein Konzept ist eine Mischung aus alt und neu. Da ist das kleine Ladenlokal an der Briller Straße 5. Eher ein wenig Retro, so wie früher. Und da sind auf der anderen Seite sein gut strukturierter Onlinehandel sowie seine Social-Media-Auftritte bei Facebook und Instagram. Weinrowsky verschickt die Gitarren deutschland- und auch weltweit zu ihren neuen Besitzern. „Diese Mischung ist mir wichtig. Alles, was ich anbiete, ist auch auf meiner Homepage zu finden.“ Er habe viele Kunden aus Wuppertal, doch viele kommen auch von weither. „Ich hatte auch schon Gitarrenliebhaber aus Berlin oder der Schweiz hier im Laden.“ Denn sein Angebot ist selten: „Es gibt ganz wenige, die ihren Schwerpunkt auf gebrauchte Instrumente legen“, weiß der Wuppertaler.
Wichtig für sein Geschäft sei der richtige Ankauf. „Man muss tolle Sachen zu guten Preisen finden. Dafür bin ich sowohl online als auch ganz klassisch auf Flohmärkten unterwegs.“ Zudem habe er sich ein Netzwerk aufgebaut, in dem auch viele ältere Musiker sind, die ihre guten Stücke noch auf Dachböden oder in Kellern haben. „Wenn ich die Instrumente dann verkaufe, sind sie repariert und restauriert. Und richtig eingestellt, also direkt spielbereit.“ Aber auch die reine Reparatur bietet er in seiner Werkstatt an. „Das ist ein großer Markt. Und natürlich kann man bei uns sein Instrument auch wieder auf Vordermann bringen lassen.“
Norbert Weinrowsky möchte jeden Geldbeutel bedienen. „Bei mir gibt es nicht nur die hochpreisigen Gitarren, sondern auch Einsteigermodelle. Hier wird der 15-Jährige fündig, der sich mal ausprobieren will, aber auch der 50-Jährige, der langsam wieder anfangen möchte zu spielen.“ Überhaupt ist es das Menschliche, das einem immer wieder entgegenkommt, in dem kleinen Laden, der samt Werkstatt gerade einmal 50 Quadratmeter groß ist. „Jeder, der hier reinkommt, bekommt erst einmal einen Kaffee. Die Zwischenmenschlichkeit ist mir wichtig. Ich habe schon den Eindruck, dass sich die Menschen danach wieder sehnen. Die Leute können die Instrumente bei mir ausprobieren und etwas mit Geschichte kaufen. Es gibt einen Austausch, man kommt ins Gespräch.“ Deshalb gibt es auch alle drei Monate kleine Konzerte in seinem Ladenlokal. „Dann steht hier eine kleine Bühne und jemand tritt mit seiner Gitarre auf. Das ist dann öffentliche Live-Musik und jeder, der mag, kann dazukommen.“
Text: Desirée Brünger