Service und Handel - Autohaus in Bewegung
Das Autohaus Betzing an der Cronenberger Straße in Solingen wurde vor mehr als 50 Jahren gegründet. Die Werkstatt genießt einen guten Ruf. Autos werden auf Kundenwunsch auch heute noch verkauft.
Mit Autos kennt sie sich aus. Die 52-Jährige weiß die Vorzüge der motorisierten oder mit Elektroantrieb ausgerüsteten Fahrzeuge zu präsentieren. Obwohl Alexandra Betzing nach eigener Einschätzung kein ein Technik-Freak ist: „Das ist nicht mein Ding“, sagt die Solingerin. Aber die Kauffrau und ausgebildete Betriebswirtin weiß, worauf es beim Autoverkauf ankommt. Also braucht sie auf die Frage über die Reichweite eines koreanischen Kleinwagens mit Elektroantrieb nicht lange zu überlegen: „Mehr als 400 Kilometer“, sagt die Chefin des Autohauses Betzing.
Alexandra Betzing führt seit 2011 das Autohaus an der Cronenberger Straße in Solingen. Eine vielbefahrene Straße in Richtung Kohlfurth und Wuppertal sowie in die Solinger City. „Ein guter Standort für uns“, sagt Betzing. 1972 hatten ihre Eltern, Lorenz Betzing und seine Frau, die Firma Wilhelm Altes an der Klauberger Straße übernommen – ein Unternehmen, das Lkw-Reparaturen durchführte. Die Expansion vom Lkw-Reparaturbetrieb hin zu einem Autohaus ließ nicht lange auf sich warten.
1973 wurde das Autohaus Betzing bundesweit einer der ersten Mazda-Vertragshändler. 1978 folgte der Neubau eines Kfz-Betriebes an der Cronenberger Straße – dem heutigen Standort. Ein Franchisevertrag mit „1,2,3 /// Autoservice“ folgte. Der Sofortservice von Auspuff, Bremsen und Stoßdämpfern wurde seitdem angeboten. Ende 1983 wurde der Lkw-Betrieb an der Klauberger Straße aufgegeben. „Am Standort Cronenberger Straße gab es dafür keine Möglichkeiten“, sagt Alexandra Betzing.
Die „Ehe“ mit Mazda war nicht auf Dauer angelegt. Sie hielt aber bis 2001. Umstrukturierungen in der Automobilbranche, die auch heute zu beobachten sind, waren mit ein Grund für die „Scheidung“. Die Autokonzerne arbeiten heute gerne mit großen Händlern zusammen und weniger mit Kleinbetrieben, die nicht so große Stückzahlen an Neuwagen abnehmen können. Gleichwohl gelang es dem Autohaus Betzing, nach Mazda von 2002 bis 2017 einen Händlervertrag mit Hyundai abzuschließen. Die 2011 mit ins Autohaus eingestiegene Schwester Katja war nach acht Jahren wieder ausgestiegen. „Wir sind seit der Firmengründung ein inhabergeführtes Unternehmen“, betont Alexandra Betzing.
Obwohl es aktuell keinen Händlervertrag gibt, werden von Betzing neben dem Servicebereich auf Wunsch der Kunden aber weiter auch Automobile verkauft. EU-Fahrzeuge, überdies Gebrauchtwagen mit Garantie. Betzing: „Ich bin ganz froh, dass wir im Neuwagenbereich frei sind und den Wünschen der Kunden folgen können.“ Der Werkstattbereich hat sich in der über 50-jährigen Firmengeschichte ebenfalls einen guten Ruf erarbeitet.
Alle Marken unter einem Dach – für das Autohaus Betzing war die 1969 erstmals ausgerichtete Solinger Autoschau als kleiner Händler stets ein Großereignis. Zunächst in der Schalterhalle der alten Sparkassen-Hauptstelle, später dann im Theater und Konzerthaus war die Autoschau stets ein Publikumsrenner. Ohne Händlervertrag war die Teilnahme an der Autoschau aber nicht mehr möglich. Die Corona-Pandemie und anschließende Schwierigkeiten mit dem Ausstellungsort Theater und Konzerthaus verhinderten aber bis heute die 50. Auflage der Solinger Autoschau.
Noch vor der Pandemie hätte Alexandra Betzing über Unternehmensziele viel zu erzählen gewusst. Aussagen über die Entwicklung des Autohauses in der Zukunft fallen ihr heute aber schwer. „Es sind Dinge passiert, von denen man sich nicht vorstellen konnte, dass sie passieren“, sagt sie. Die Pandemie, immer mehr kriegerische Auseinandersetzungen, hohe Spritpreise und ein zunehmender Verfall von Wertestrukturen lassen es „immer schwieriger“ werden, Einschätzungen über die Zukunft abzugeben. Alexandra Betzing: „Wir sind in einer Zeit groß geworden, in der das gesprochene Wort noch einen hohen Stellenwert hatte. Das ist heute leider nicht immer so der Fall.“
Text: Uwe Vetter