Verleih von Lastenrädern - Viel Gepäck? Kein Problem!

Das soziale Projekt „Fienchen“ verleiht in Wuppertal kostenlos Lastenfahrräder und Pedelecs. Es will Menschen zum Umstieg aufs Rad bewegen – und dabei gesellschaftliche Teilhabe für alle ermöglichen.

Der Wocheneinkauf, eine Kiste Mineralwasser den Berg hinauf, der Ausflug mit zwei kleinen Kindern und Picknickdecke im Gepäck: Es gibt zahllose Alltagssituationen, in denen ein Lastenrad gute Dienste leistet. Doch wie fährt es sich? Gar nicht so viel anders als ein normales Pedelec. Der Versuch zeigt: Das Lastenrad lässt sich gut steuern, dank des Motors kommt man auch ohne Muskelpakete mit Einkauf den Berg hoch. Und in die große Kiste des Fienchens passt wirklich viel hinein.

Diese Erfahrung wollten Wuppertaler Fahrradenthusiasten vor zehn Jahren möglichst vielen Menschen ermöglichen. Sie gründeten das Projekt „Fienchen“ – dort kann sich in Wuppertal jeder kostenlos für ein paar Tage ein Lastenrad ausleihen. „Inzwischen haben sich viele Menschen, die anfangs unsere Fienchen ausgeliehen haben, für ein eigenes entschieden“, erzählt Kirsten Haberer, Gründungsmitglied und Betreuerin eines Standorts. „Man sieht jetzt auch viel mehr Lastenräder in der Stadt.“

Angeschafft wurde das erste Fienchen 2016 durch ein Crowdfunding. 2019 ermöglichte die Stadt Wuppertal mithilfe des Bundesprojekts „Kurze Wege für den Klimaschutz“ den Kauf von sechs kleineren Lastenrädern (E-Mil getauft) und sechs Pedelecs (Pina). Weitere Fienchen auf Spendenbasis folgten. Die Deutsche Postcode-Lotterie finanzierte 2021 das vierte Fienchen. Außerdem gehört seitdem mit Olaf ein Schwerlastenrad zur Flotte. „Damit können Handwerker und kleinere Betriebe testen, für welche Fälle sie auf ein Lastenrad statt aufs Auto zurückgreifen können“, erklärt Kirsten Haberer.

Der nächste Wunsch wäre ein Lastenrad mit drei Rädern. „Wir haben hier einige Interessenten, die so etwas gerne nutzen würden“, sagt Iris Panknin, die den Standort Arrenberg betreut. Gerade für Menschen mit körperlichen Einschränkungen oder geringeren körperlichen Kräften wäre ein Dreirad eine gute Möglichkeit, sich an der frischen Luft zu bewegen.

Wer ein Lastenrad ausleihen möchte, bucht sich unkompliziert eines über die Homepage von Fienchen. Die Räder stehen bei Privatpersonen oder Stadtteiltreffs. Ehrenamtler erklären beim individuell vereinbarten Übergabetermin alles, was bei der Fahrt mit einem Lastenrad zu beachten ist. Sie nehmen anschließend auch die Räder wieder an und prüfen, ob damit alles in Ordnung ist. „Wer ein Fienchen bei sich hinstellen möchte, sollte auch kleinere Reparaturen daran vornehmen können“, erklärt Kirsten Haberer. Fahrradstadt Wuppertal e. V., Talradler.de und Utopiastadtrad als Organisationsteam kümmern sich um die Verleihplattform. Weitere Ehrenamtler, die das Radfahren im Alltag im Bergischen Land voranbringen wollen, sind willkommen.

Die vier Fienchen stehen derzeit bei „Aufbruch am Arrenberg“, bei Utopiastadt am Bahnhof Mirke und am Clausen. Die kleineren E-Mils sind am Hauptbahnhof, im Luisenviertel und am Ölberg verfügbar, die Pedelecs in Cronenberg, im Luisenviertel und in Unterbarmen. Olaf, das Schwerlastenrad, wird nur gegen Vertrag und Kaution verliehen. Grundsätzlich sind alle Räder kostenlos nutzbar. „Für uns steht der soziale Aspekt im Fokus“, betont Kirsten Haberer. Alle sollen die Möglichkeit haben, mit dem Lastenfahrrad Dinge zu transportieren oder tolle Ausflüge zu erleben. Wer kann, darf trotzdem gerne etwas spenden – Akkus, Bremsbeläge und gelegentliche größere Reparaturen wollen schließlich bezahlt werden.

Nach wenigen Metern mit dem Fienchen stellt sich der Spaß ein. „Bisher haben sich alle schnell daran gewöhnt“, sagt Iris Panknin. Ihr Arbeitgeber hat inzwischen ein eigenes Lastenrad angeschafft, weil er durch Fienchen die großen Vorteile erkannt hat. Während zu Beginn der Andrang groß war, lassen sich die Räder heute oft auch kurzfristig buchen. So können Neu-Nutzer bei gutem Wetter spontan entscheiden, einen Ausflug mit dem Lastenrad zu unternehmen.

Text: Tanja Heil

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