Teil einer „analogen Raumfahrtmission“ - Als Forscherin ins All
Die angehende Solinger Ärztin Marla Lynn Welsch hat ein großes Ziel: als Astronautin bei einer Mars-Mission dabei zu sein. Dafür trainiert sie hart und stellt sich herausfordernden Prüfungen.
Dass ich gern Ärztin werden möchte, hat sich bei mir offensichtlich schon von klein auf gezeigt, sagen meine Eltern. Nach dem Abitur habe ich dann alles darangesetzt, Medizin zu studieren. Der Wunsch, Astronautin zu werden, kam erst später.
In Köln, wo ich studiere, hat die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtmedizin ihren Sitz, und ich erhielt irgendwann die Einladung zu einer Veranstaltung der DLR. Als ich dort einen Vortrag des britischen Chirurgen John McFall hörte, war ich Feuer und Flamme. Man muss wissen, dass er durch eine Beinamputation körperlich eingeschränkt ist und dennoch die Bestätigung der ESA bekommen hat, für eine künftige Mission zur ISS zugelassen zu sein. Die Begegnung mit ihm hat mich begeistert und war der entscheidende Impuls für mich.
(lacht) Da gibt es natürlich viele Möglichkeiten. Während meiner Teilnahme an einer Medical Summer School in Cambridge erfuhr ich, dass auch Mediziner Astronauten werden können. Das hat mich dann sehr beschäftigt. Und über eine studentische Initiative habe ich mich dann beworben, an einem speziellen Simulationstrainingscamp in den Schweizer Alpen teilzunehmen. Von mehreren Tausend Bewerberinnen und Bewerbern gehörte ich dann zu einer kleinen Gruppe, die für die „analoge Raumfahrtmission“ Asclepios 6 ausgewählt wurde.
Im Rahmen des Auswahlverfahrens gab es Tests in Mathe, Physik, Raumfahrt, Medizin sowie kognitive Tests. Das war das Schwierigste, das ich je gemacht habe. Aber ich hab‘ es geschafft und werde nun tatsächlich im Juni nach Airolo reisen, um als Astronautin an der Mission Asclepios 6 im Sasso San Gottardo teilzunehmen. Dort werden wir vor allem wissenschaftlich arbeiten.
Dort in einer Art Stollen über zwei Wochen auf begrenztem, abgeschlossenem Raum mit sieben anderen Studenten und Studentinnen zu leben und zu forschen.
Ja, da gibt es schon einen wissenschaftlichen Austausch, und einige unserer Versuche, etwa medizinische Ultraschall-Experimente, wurden auf der ISS weiterentwickelt.
Also, vieles muss man schon aus Grundvoraussetzung mitbringen, so verfüge ich etwa über mehrere Tauchscheine, und kann auch in der Dunkelheit tauchen. Beim Österreichischen Weltraum Forum in Innsbruck, mit dem ich auch im Kontakt stehe, konnte ich zum Beispiel auf einem Vertikal-Laufband Trainings- und Bewegungsbedingungen bei Schwerelosigkeit und Teilgravitation trainieren. Ich spreche mehrere Sprachen, darunter natürlich Englisch, auch etwas Russisch. Und ich halte mich fit, durch Schwimmen, Lauf-, Kraft- und Mobilitätstraining.
Wenig, ehrlich gesagt. Ich versuche meist, zum Beispiel zusammen mit Freunden ins Gym zu gehen, damit ich sie überhaupt mal sehe. In jeder freien Minute schreibe oder forsche ich für meine Doktorarbeit, die sich mit Grundlagenforschung beschäftigt, die auch für die Anästhesie und Raumfahrtmedizin relevant ist. Wenn die fertig ist, würde ich gern mit dem Master in Raumfahrtmedizin anfangen.
Nach wie vor voller Faszination, gern auch nachts in der Natur. Ich kenne die Sternbilder, kann die Planeten zuordnen, und habe tatsächlich auch als Teenager gern so Science-Fiction-Bücher über die Weite der Galaxien gelesen. Jedenfalls ist mein Ziel das Weltall. Oder erst mal an einer Expedition zur Forschungsstation Concordia in der Antarktis teilzunehmen, wo Wissenschaftler unter Extrembedingungen arbeiten – was denen im Weltraum am nächsten kommt.
Dass es sich wie zu Hause anfühlt, wie meine Heimat. Ganz konkret fühle ich das, wenn ich in Solingen-Merscheid ankomme. Wenn ich das LVR-Industriemuseum sehe, weiß ich, dass ich zu Hause bin.
Das Lochbachtal. Entlang des Lochbachs zieht sich durch Solingen von Wald bis Ohligs ein grüner Waldstreifen, wo es auch im Sommer schön kühl ist und wo ich gern mit unseren Hunden spazieren gehe. Da komme ich runter und kann die Natur – quasi mitten in der Stadt – genießen.
Das Interview führte: Liane Rapp