Junge Menschen - Start ins Leben

Seit 2018 unterstützt die Karawane – Kinder- und Jugendhilfe GmbH junge Menschen in schwierigen Situationen auf ihrem Weg in die Eigenständigkeit. Um sie fit für ein selbstbestimmtes Leben zu machen, braucht es Arbeitgeber, die bereit sind, Chancen zu geben.

Neun männliche Jugendliche von 14 bis 21 Jahren werden rund um die Uhr in der interkulturellen Wohngruppe „Haus Selam“, was übersetzt „Frieden“ bedeutet, in Unterbarmen betreut. Für sie verantwortlich ist Erziehungsleiterin Vanessa Hofyani zusammen mit einem Team päda­gogischer Fachkräfte sowie dem zuständigen Jugendamt. „Wir begleiten die jungen Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung, kulturellen und gesellschaftlichen Integration sowie in der schulischen und beruflichen Laufbahn“, erläutert Hofyani. Damit verbunden sind Unterstützungsangebote im Schulalltag, gegebenenfalls Organisation von Nachhilfe, die Begleitung bei Behördengängen, medizinischen Untersuchungen oder ther­apeutischen Angeboten, aber auch die Organisation von Freizeitaktivitäten.

Die Karawane möchte Heranwachsenden mit verschiedenen persönlichen Herausforderungen ein eigenständiges Leben mit klaren Zukunftsaussichten ermöglichen. Hinter diesem Grundsatz steht Dr. Kessete Awet, Gründer der Karawane und zugleich ihr Geschäftsführer und pädagogischer Leiter. „Dadurch, dass ich selbst aus Eritrea im Nordosten von Afrika geflohen bin, kenne ich zahlreiche Problemstellungen unserer Bewohner aus eigener Erfahrung“, so Awet. Der Sozialpädagoge hat bereits in mehreren Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe gearbeitet und hegte schon lange den Wunsch, diese Arbeit ganzheitlich selbst zu gestalten. „Zugleich möchte ich auch Vorbild sein und zeigen, was möglich ist.“ Im April 2018 begann – passend zum Namen – die Reise der Karawane und zugleich die vieler junger Menschen, die aus Städten weit über das Bergische Land hinaus nach Wuppertal kommen. „Der Bedarf ist groß – nicht nur nach unserer Wohngruppe, sondern auch nach dem Angebot des Trainingswohnens“, führt Vanessa Hofyani aus. Im Rahmen des Trainingswohnens begleitet die Karawane junge Menschen ab 16 Jahren in der Phase der Verselbstständigung. „In von uns angemieteten Wohnungen erlernen sie unter unserer Anleitung verschiedene Kompetenzen, um ihren Haushalt zu strukturieren und ihren Alltag erfolgreich bewältigen zu können“, erklärt Hofyani. Neben Wuppertal wurde dieses Angebot bis dato auch auf Remscheid und Solingen sowie Duisburg ausgedehnt.

Wichtig in dieser Phase ist der Wechsel von der Schule zum Ausbildungsbetrieb. „Unsere Bewohner verlassen die Schule in der Regel mit einem Hauptschulabschluss und interessieren sich vor allem für handwerkliche und soziale Berufe“, schildert Daniel Schmahl, der die kaufmännische Leitung des Unternehmens verantwortet. So haben ehemalige Bewohner erfolgreich Ausbildungen beispielsweise als Maler, Schreiner oder Dachdecker sowie in Bäckereibetrieben oder im Pflegebereich absolviert.

Im Rahmen von qualifizierten Praktika und auch während der Ausbildung stehen die Verantwortlichen der Karawane als Ansprechpartner zur Verfügung. „Wir betreuen die Jugendlichen in jeder Phase und pflegen persönliche Kontakte zu den Ausbildungsleitern, den Berufsschulen und weiteren relevanten Stellen“, so Hofyani. „Unsere Jugendlichen brauchen Chancen, um erfolgreich in ein selbstbestimmtes Leben starten zu können. Wir machen sie fit dafür, wünschen uns aber zugleich auch eine Offenheit vonseiten potenzieller Arbeitgeber, Menschen mit schwierigen Biografien und nicht so guten Zeugnissen die Möglichkeit zu geben, sich im Rahmen eines Praktikums und später während einer Ausbildung zu beweisen“, unterstreicht Awet. Bei einem Teil der Bewohner ist dies zentrale Grundlage für eine erfolgreiche Integration und schlussendlich auch mit der Frage des Bleiberechts in Deutschland verbunden. „Wir haben motivierte, junge Menschen, die etwas machen und aktiv werden wollen. Für sie brauchen wir Chancengeber.“

Text: Martin Wosnitza

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