IHK-Sommerempfang - Netzwerken mit Besucherrekord

Peer Steinbrück sprach als Gastredner vor mehr als 1.000 Gästen des Sommerempfangs der Bergischen IHK in der Stadthalle über die Zeitenwende.

Krisen, Reformstau und dennoch Zuversicht: Der Sommerempfang der Bergischen IHK in der Historischen Stadthalle Wuppertal wurde zu einem Abend der klaren Worte. Mehr als 1.000 Gäste, so viele wie nie zuvor im Sommer, diskutierten darüber, ob Deutsch­land die Kraft für ein neues wirtschaftliches Aufbruchskapitel hat. Die überwältigende Mehrheit im Saal zeigte sich überzeugt: Die Herausforderungen sind groß, aber zu bewältigen.

IHK‑Hauptgeschäftsführer Michael Wenge beschrieb eine „nicht enden wollende Reihe von Herausforderungen“ – von geopolitischen Konflikten über Energiepreise bis zur finanziellen Lage der Kommunen. Gleichzeitig betonte er die Rolle der Bergischen IHK als Stabilitätsanker und Gestalterin. „Wir wollen nicht klagen, sondern Lösungen ermöglichen“, so Wenge. Er betonte außerdem die Relevanz der Bergischen Buga 2031 in Wuppertal. „Ich freue mich sehr darauf, über die erste Hängebrücke über einer Großstadt zu gehen.“ Der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück spannte in seinem Festvortrag einen weiten Bogen. Zeitenwende bedeute mehr als einen politischen Einschnitt; sie verlange Anpassungen, Anstrengun­gen und unbequeme Entscheidungen. Deutschland habe sich zu lange auf ein Geschäftsmodell verlassen, das nicht mehr trage. Er nutzte das Bild eines Motors: „Wir laufen derzeit auf fünf Zylindern, verfügen aber eigentlich über acht“, sagte Steinbrück. Entscheidend sei, die vorhandenen Stärken wieder konsequent zu nutzen – und Reformen anzugehen. Steinbrück ist Teil der Initiative für einen handlungsfähigen Staat, mit der er Reformvorschläge erarbeitet hat. Viele seien im Koalitionsvertrag abgebildet, sagte er. Jetzt müssten sie umgesetzt werden. „Deutschland ist schon einmal vom ,Kranken Mann Europas‘ zum ,Powerhouse‘ geworden – und das innerhalb weniger Jahre. Können Sie mir einen Grund nennen, warum das nicht wieder gelingen sollte?“

Anschließend wurde der Blick auf die Region geschärft. IHK-Präsident Henner Pasch sprach mit Moderatorin Sissi Hajtmanek über das IHK-Regionalradar. Darin legt die IHK Kennzahlen zu den Kommunen offen und vergleicht sie, um Veränderungen anzustoßen. Vor allem der demografische Wandel berge auch Chancen, Dinge neu und besser zu machen, so Pasch, gerade in den Verwaltungen. „Die Oberbürgermeisterin und die Oberbürgermeister sind auf einem guten Weg.“ Die IHK sehe sich jederzeit als Sparringspartner im positiven Sinn. In der Diskussionsrunde wurde der Blick konkret und bewusst immer wieder zuversichtlich.

IHK‑Vizepräsident Dr. Andreas Groß sagte, dass bei allen Problemen „nicht alles verloren“ sei. „Wir sind ein Standort mit Perspektive. Warum sollte uns der Wandel zu einer besseren Zukunft nicht gelingen?“ Groß verwies besonders auf die Chancen durch Künstliche Intelligenz und die Stärke des deutschen Ingenieur‑ und Anwendungswissens. IHK-Vizepräsidentin Katrin Becker plädierte im Sinne der Standortattraktivität zudem für einen Masterplan für die Innenstädte von Seiten der Kommunen. Handel, Gastronomie und Dienstleistungs-Sektor könnten auf einer solchen Grundlage neue Wege gehen, um Zentren lebendig zu halten. Sängerin Leonora sorgte mit Liveband für die lockeren Momente zwischendurch. An diesem Abend wurde deutlich: Untergangsszenarien helfen nicht weiter. Entscheidend ist der Wille, Verantwortung zu übernehmen – für den Standort, die Region und kommende Generationen. Der Empfang klang im Garten und in den Räumen der Historischen Stadthalle Wuppertal aus.

Text: Eike Rüdebusch

Mit Ihrer Erlaubnis verwenden wir Google Analytics, um den Traffic auf dieser Website zu analysieren. Sie können Ihre Entscheidung jederzeit unter Datenschutzerklärung ändern.