Französische Leichtigkeit im Luisenviertel - Flammkuchen zum Verlieben

Gerade sein erster Sommer ist vorbei, aber es fühlt sich so an, als wäre das Bistro „FlamBee“ mit seinem grünen Innenhof schon immer in der Luisenstraße gewesen. Selbst die frischgebackenen Besitzer haben den Erfolg nicht so schnell kommen sehen.

Sie lieben es, zu kochen, und waren unter Freunden für ihre kulinarischen Talente und Gastfreundlichkeit bekannt. Trotzdem hatten sie zunächst vor, den „vernünftigen“ Weg zu gehen: Mit Büroalltag und Festanstellung, erinnert sich Michalina Swierczek (26). Sie jobbte in der Gastronomie parallel zum Biologie-Studium an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und der anschließenden Ausbildung im Marketing. Aber der angestrebte Beruf machte sie nicht glücklich, genauso wie Kewin Bilgen (27), der Erfahrungen in der Baubranche gesammelt hatte und kurz vor seinem Bachelor-Abschluss als Wirtschaftsingenieur steht. „Wir haben oft darüber geredet und uns irgendwann gesagt: Warum machen wir das jetzt nicht?“ so das Paar. „Kewin macht die besten Smash-Burger der Welt“, verrät Michalina, denn gemeinsames Kochen war für sie schon immer ihr liebstes Date-Programm, egal, ob Thailändisch, Koreanisch, Türkisch oder Polnisch. „Wenn das jemand schafft, dann ihr“, ermutigte man sie auch in der Familie zu ihrem Traum eines kleinen Restaurants. Auf die Wuppertaler Gastromeile, von der sie damals noch wenig wussten, fiel ihr Blick eher unverhofft – Düsseldorf war schlichtweg zu teuer. Aber warum es am Ende ein französisches Lokal geworden ist? Es sei nur französisch angehaucht, bestehen die Lokalbesitzer, und vermittle vor allem die damit verbundene Leichtigkeit. Sie halten sich nicht an irgendwelche Vorbilder aus Frankreich, sondern entwickelten ihr eigenes Konzept eines knusprig überbackenen Flammkuchens. „The Goat“, der großzügig mit Birnen, Feigen, Ziegenkäse und Trüffelhonig belegt wird, avancierte schnell zum Publikumsliebling. Die nicht weniger gefragte Kreation heißt „Poirfection“ und lässt mit Birnen, Feigen, Bergschinken, Trüffelhonig und Mandeln jedem Gaumenfreund das Herz aufgehen – ebenso wie „FlamBees“ Käseplatten, Croques und die heißbegehrte Zwiebelsuppe.

B evor Michalina und Kewin Mitte Dezember vergangenen Jahres das leere Ladenlokal in der Luisenstraße besichtigten, wurde sie ihnen von Freunden als das Ausgehviertel ans Herz gelegt. An diesem verfrorenen Abend, als alle auf dem Weihnachtsmarkt waren, fühlte sich das aber anders an. „Wie sollen wir das denn machen, hier ist ja keiner“, dachte damals Kewin. Im Übrigen gefiel ihnen die Räumlichkeit ganz gut: Wie eine leere Leinwand, freute sich Michalina. Sie vertrauten ihrem Gefühl und unterzeichneten den Mietvertrag, aber es gab noch viele Formalitäten zu lösen, sodass sie erst ab Mitte März mit dem Umbau beginnen konnten. Ihnen blieben gerade sechs Wochen, um zum Luisenfest am zehnten Mai zu eröffnen und allein schon vier Mal zu streichen – ohne ihre Familien und Freunde wäre das nicht gegangen, so Kewin. Lieferzeiten für die Ausstattung zogen sich wochenlang hin und einmal mussten sie 15 Anträge an zwei Tagen auszufüllen. „Ich habe mir das leichter vorgestellt“, gibt der Gastronom zu, aber das Wuppertaler Gewerbeamt habe sie sehr unterstützt. Schon während der Baustelle konnten sie erfreut beobachten, wie sich die Luisenstraße am Abend füllte. Noch bis fünf Uhr am Morgen blieben sie am letzten Tag im Restaurant und druckten die Karten. „Ich weiß nicht wie, aber wir haben es geschafft“, sagt Michalina.

Mittlerweile ist das Paar aus Essen nach Uellendahl gezogen und zeigt sich mehr als zufrieden. „Die Menschen, die Gäste, die anderen Gastronomen, die Ortschaft – ich bin positiv überrascht, überwältigt“, sagt Kewin, der Wuppertal gerade erst kennenlernt.

Ob es ihr Weinlieferant von „Fahrenheit 64“ ist, der mal eben mit dem Bollerwagen vorbeikommt, oder die Menschen, die sich am Abend mit einem Glas Wein auf die Hausstufe raussetzen – das gebe ihnen ein Heimatgefühl. Dieses Mal dürfte die Luisenstraße im Dezember auch nicht mehr leer sein, wenn sie ihren Innenhof dekorieren und Fondue auf die Speisekarte bringen.

Text: Evgenia Gavrilova

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