Brustkrebs - „Wir sind kein Jammerverein“
Jung, junggeblieben, aktiv. So beschreiben Gründerin Erminia Pavlatou und Mitglied Diana Bach die Selbsthilfegruppe für an Brustkrebs erkrankte Frauen „BFF“ (Breast Friends Forever), die im Januar 2025 entstanden ist.
Pavlatou: Als ich die Diagnose mit 43 bekam, fühlte ich mich zu jung und zu gesund dafür. Frauen in meinem Alter haben andere Bedürfnisse als jemand, der im Rentenalter erkrankt ist. Wir standen mitten im Leben, wir hatten einen Vollzeitjob, kleine Kinder, Freunde, Hobbys, ein soziales Leben. Und plötzlich passiert da ein Cut, du wirst aus deinem aktiven Leben gerissen. Mindestens ein halbes Jahr, wenn nicht anderthalb Jahre, ist man täglich damit beschäftigt, mit Medikamenten, Bestrahlung, Chemotherapie, mit OP gegen den Brustkrebs zu kämpfen.
Pavlatou: Meistens kommen Frauen nach der Therapie. Am Anfang ist man im Überlebensmodus und wird von Termin zu Termin geleitet, aber irgendwann meldet sich die Seele und sagt: Ich bin auch noch da. Da beginnt man Austausch zu suchen. In der Gruppe muss man sich nichts erklären, man versteht sich ohne viele Worte. Es geht um gegenseitige Motivation, Gefühl der Zugehörigkeit, Stärkung.
Bach: Ein Arztgespräch in unserer Lage ist immer eine Ausnahmesituation, man ist sehr aufgeregt und vergisst vieles. In der Selbsthilfegruppe bekommt man immer eine Antwort. Zum Beispiel nahm es einer Betroffenen die Angst, als ich zu ihr sagte: „Mach dir die Chemo nicht zum Feind, mach sie dir zum Freund.“ Die Frau hatte Kraft aus unseren Treffen gezogen.
Pavlatou: Manche Fragen können Ärzte nicht beantworten. Sie kennen die Theorie, die Erfahrungsberichte, aber wie sich das anfühlt, weiß nur eine Betroffene. Kein Arzt kann sagen, wie man sich nach einer Chemotherapie fühlt. Diana könnte das ganz genau sagen.
Bach: Man geht zum Brustzentrum, bespricht die Therapie und bekommt einen großen Ordner mit Antworten auf viele Fragen, mit Adressen der Psychoonkologen, der Krebsberatungsstellen, der Selbsthilfegruppen, zum Beispiel. Für die Ärzte muss ich Lanze brechen: Ich hatte eine sehr empathische Ärztin im Brustzentrum. Die Verbindung nach außen muss man aber selbst suchen.
Pavlatou: Man kommt, wenn man Lust und Zeit hat, ohne Anmeldung, in der Regel sind es etwa 20 Frauen. Man kann sich austauschen, aber man kann auch einfach da sein und zuhören. Manchmal gibt es Thementreffen mit Vorträgen oder wir sind kreativ und basteln. Wir sind eine Gruppe von betroffenen Frauen, die aus dem Leben berichten, ohne Leitung oder Moderation. Kein Jammerverein (beide lachen). Einmal im Monat gehen wir auch zusammen spazieren.
Genau, wir sind mit sieben Frauen aus der Gruppe nach Berlin zur „Yes!con“ gefahren und hatten dort einen eigenen Infostand. Wir haben großartige Menschen kennengelernt und sehr ehrliche, motivierende und inspirierende Gespräche geführt.
Bach: Davon kann es nicht genug geben. Brustkrebs wird immer jünger, der Fokus muss mehr auf junge Frauen gehen, damit sie zur Vorsorge gehen, zur Mammographie, zum Abtasten. Dann wird es frühzeitig erkannt und die Heilungschancen sind hoch. Die nächste Aktion ist schon in Vorbereitung, wir freuen uns über alle, die mitmachen wollen.
Pavlatou: Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen – jede achte ist betroffen – er muss viel mehr Sichtbarkeit bekommen. Es braucht mehr Bewusstsein, um die Angst abzubauen. Als ich erkrankte, hielt ich mich für die einzige auf dem Planeten – niemand in meiner Familie hat Brustkrebs. Heute bin ich aufgeklärt und die Angst los – man kann heute medizinisch viel erreichen.
Pavlatou: Besonders gut gefällt mir die Architektur: Die vielen traditionellen Fachwerkhäuser und die Jugendstilhäuser in Wuppertal. Mein Kraftort sind die Talsperren, da komme ich wirklich zur Ruhe.
Pavlatou: Ein Geheimtipp ist „Das Johanns" in Katernberg, ein ehemaliger Kuhstall, der in ein liebevoll eingerichtetes Café umgewandelt wurde.
Bach: Das große kulturelle Angebot der Stadt und die Nordbahntrasse – sie ist eine Bereicherung für die Wuppertaler. Das Luisenviertel ist wie mein zweites Wohnzimmer.
Pavlatou: Irgendwann kommen finanzielle und behördliche Sorgen dazu. Man kann zum Beispiel kein Kind mehr adoptieren, bekommt nur schwer einen Kredit und bleibt für Versicherungen für immer ein Risiko. Und man bekommt diesen Stempel: Das ist die, die Brustkrebs hatte.
Bach: Da gibt es ganz alltägliche, kleine Sachen, zum Beispiel, als mein großer Sohn mich völlig selbstverständlich zur Chemotherapie gefahren hat. Ein Strauß Blumen von einer Kollegin, ein Kaffee zusammen. Und ganz wichtig ist, dass ich auch weiterhin am Alltag und Problemen anderer Menschen teilhaben kann, ohne dass sie sie kleinreden.
Pavlatou: Fragen, ob man denn nicht zur Vorsorge gegangen sei. Oder: „Die Nachbarin meiner Mutter hatte auch Brustkrebs und sie ist gestorben.“
„Ich könnte nie die Chemotherapie machen.“ „Die Haare wachsen wieder.“ „Du bekommst jetzt eine Brust umsonst“…“Und dir geht es wieder gut jetzt?!“
Pavlatou: Wenn etwas ist, bin ich immer für dich da. Nicht schönreden und verharmlosen, da gibt es nichts zu verharmlosen. Und man sollte davon loskommen, dass jemand, der nicht krank aussieht, auch wirklich gesund sei.
Das Gespräch führte Evgenia Gavrilova