Neuer Hauptgeschäftsführer - Unternehmen first!

Thomas Grigutsch ist neuer Hauptgeschäftsführer der Bergischen IHK. Er bringt viel Erfahrung und ein gutes Netzwerk mit – und Ideen, wie die IHK noch besser im Sinne der Unternehmen werden kann

Wenn wir zehn Jahre zurückblicken, hätte wohl kaum jemand erwartet, wie stark sich die Welt verändern würde. Krise folgte auf Krise, und unsere Gespräche mit den Unternehmen zeigen leider, dass die Lage schwierig bleibt. Besonders belastend sind die politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten weltweit. Als exportstarke und international eng verflochtene Region trifft uns das besonders hart.

Allein in der Industrie sind im Bergischen Städtedreieck im vergangenen Jahr mehr als 2.000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Und es gibt keine Anzeichen für eine schnelle Trendwende. Gerade die Industrie steht für hohe Wertschöpfung in unserer Region. Aber auch in vielen anderen Branchen ist die Stimmung schwierig.

Die aktuellen Wirtschaftsprognosen stimmen zwar etwas optimistischer. Das ist aber noch lange kein Grund für Entwarnung, aber ich bin überzeugt, dass die Unternehmen im Bergischen Land die Kraft haben, diesen Wandel erfolgreich zu gestalten.

Wir befinden uns in einem tiefgreifenden strukturellen Wandel. Selbst wenn morgen alle Krisen und Kriege enden würden, die alte Weltordnung wird nicht zurückkehren. Wir müssen uns diesem Wandel stellen. Wer den Eindruck erweckt, das lasse sich ohne Veränderungen und Anstrengungen bewältigen, liegt falsch. Wir müssen die Ärmel sehr weit hochkrempeln.

Meine Antwort ist einfach: Unternehmen first. Bei allem, was wir tun, müssen wir uns fragen, ob wir den Unternehmen das Wirtschaften erleichtern. Die Beispiele für Bürokratie, die Betrieben Zeit und Geld kostet, kennen wir alle. Deshalb dürfen wir nicht nachlassen, auf Missstände hinzuweisen und uns für Verbesserungen einzusetzen.

Wir brauchen mehr Möglichmacher und weniger Verhinderer. Die erste Frage sollte nicht lauten: „Warum geht das nicht?“, sondern: „Wie kann es funktionieren?“ Das gilt für Politik und Verwaltung, aber auch für uns als IHK. Ganz wichtig: Weniger Vorschriften und Detailregelungen, dann fällt auch das Verwalten leichter und die Spielräume werden größer.

Für mich überwiegen die Vorteile. Ein Unternehmer aus unserer Vollversammlung hat einmal gesagt: „Junge Besen kehren gut, alte Besen kennen die Ecken.“ Das beschreibt meine Situation ganz treffend.

Darauf muss man natürlich achten. Niemand sollte etwas nur deshalb für richtig halten, weil es schon immer so gemacht wurde. Aber ich kenne die Region, ihre Unternehmen und viele handelnde Personen sehr gut. Dieses Netzwerk hilft natürlich. Und aufgrund meines Alters ist das Amt eher eine Mittelstrecke als ein Marathon. Auf Mittelstrecken kann man mehr Tempo aufnehmen.

Ein wichtiges Thema ist die Digitalisierung. Dort kommen wir voran, aber oft nicht so schnell, wie ich es mir wünschen würde. Wir arbeiten im Verbund mit den Industrie- und Handelskammern in ganz Deutschland. Das hat Vorteile, bedeutet aber auch einen erheblichen Abstimmungsbedarf. Veränderungen brauchen dadurch manchmal mehr Zeit. Aber ich glaube, dass wir inzwischen auf einem guten Weg sind. Zum Beispiel im Bereich Ausbildung haben wir digitale Angebote geschaffen, die Unternehmen und Auszubildende bereits heute spürbar unterstützen. Darauf können wir aufbauen.

Ich möchte noch mehr Unternehmen für ein ehrenamtliches Engagement gewinnen. Das Ehrenamt ist ein wesentlicher Teil dessen, was die IHK ausmacht. Es gibt unserer Arbeit Legitimation und sorgt dafür, dass wir nah an den Unternehmen bleiben. Ich bin dankbar für jeden, der sich einbringt, mitdiskutiert, und auch konstruktiv mit uns streitet. Genau dieser Austausch macht uns besser.

Grundsätzlich sind da auf einem guten Weg. Die Bergische IHK wird als wichtiger Ansprechpartner in der Region wahrgenommen. Dazu gehört selbstverständlich auch, Defizite klar zu benennen und bei wichtigen Themen hartnäckig zu bleiben. Gleichzeitig habe ich großen Respekt vor den Menschen, die politische Verantwortung übernehmen. Was viele Politikerinnen und Politiker, insbesondere auf kommunaler Ebene, heute in sozialen Medien aushalten müssen, ist erschreckend. Da müssen wir gemeinsam gegenhalten und respektvoll miteinander umgehen.

Einen sehr großen. Ich bin dankbar für die vielen Begegnungen und Erfahrungen, die ich dort machen durfte. Die Wirtschaftsjunioren erinnern mich immer wieder daran, Dinge nicht unnötig kompliziert zu machen. Dort wird häufig nicht gefragt, warum etwas schwierig ist, sondern wie es gelingen kann. Diese Haltung gefällt mir sehr. Außerdem bringen junge Unternehmerinnen und Unternehmer oft einen anderen Blick auf Führung, Arbeit und gesellschaftliche Entwicklungen mit. Das hält die eigene Perspektive frisch. Und ich bin fest davon überzeugt, dass sich deshalb auch meine Falten noch in Grenzen halten.

Auf das „einfach machen“. Gerade in Zeiten großer Herausforderungen kommt es darauf an, Dinge anzupacken, Entscheidungen zu treffen und Lösungen voranzubringen. Genau darauf freue ich mich.

Das Gespräch führte Eike Rüdebusch

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