Seit 25 Jahren - Aus Ideen werden Maschinen

Das Elberfelder Familienunternehmen Steuratech baut Geräte und Vorrichtungen und nimmt dabei gerne Herausforderungen an. Lars Müller und sein Sohn Til setzen auf Effizienz und direkte Kommunikation.

Der erste Auftrag kam zufällig: In einem privaten Gespräch meinte Lars Müller – damals noch Maschinenbau-Student –, dass er den Bürstroboter für Schweißnähte viel günstiger bauen könnte als im vorliegenden Angebot. Natürlich brauchte er mehr Stunden als veranschlagt, aber der Roboter lief erfolgreich. Kurze Zeit später gründete Lars Müller die Steuratech GmbH und betreibt sie seitdem parallel zur von Großvater und Vater übernommenen Artur Müller & Söhne GmbH, die seit über 75 Jahren Benadelungsmaschinen für Schnürsenkel herstellt.

Bereits zwei Jahre nach Gründung erhielt Steuratech 2003 den ersten Wuppertaler Wirtschaftspreis als Jungunternehmen des Jahres. „Wir sind sehr erfolgreich gestartet und haben direkt Sondermaschinen für sehr namhafte Kunden deutschlandweit gebaut“, erzählt Lars Müller. So viele Anfragen hatte er schon kurz nach seinem Start, dass er manche absagen musste mangels Kapazitäten. Vier Ingenieure stellte er ein und mehrere Kräfte in der Fertigung. Der damals junge Vater dreier Kinder verbrachte viel Zeit auf der Autobahn, um von einem Projekt zum nächsten zu fahren.

Irgendwann entschied er sich für mehr Zeit mit seiner Familie. „Wir waren viel zu schnell viel zu erfolgreich geworden.“ Statt große, stets mit Unwägbarkeiten behaftete Sondermaschinen zu bauen, widmete er sich nun dem Vorrichtungsbau, gerne mit komplexen Steuerungen. Die starke Nachfrage bekannter Unternehmen hielt an. „Wir industrialisieren Verfahren für unsere Kunden“, erklärt Lars Müller. Hat jemand ein Verfahren entwickelt, baut Steuratech die Maschine dazu, oft integriert in eine große Fertigungslinie. Auf diese Weise können Unternehmen ihre Ideen als Produkt verkaufen. Prototypen und Kleinserien bis 50 Stück sind das typische Betätigungsfeld des Unternehmens.

Besonderen Spaß hat das Team an kniffeligen Aufgaben – etwa wenn Laborgeräte besondere Anforderungen erfüllen müssen, in explosionsgefährdeten Bereichen, im Hochvakuum oder bezüglich elektromagnetischer Verträglichkeit. „Da können wir unsere Erfahrung nutzen.“ Selbst die Platinen für die Geräte entwickelt Steuratech selbst. Das macht sie nicht nur sehr passgenau und klein, sondern sorgt auch für einen hohen Kopierschutz.

Inzwischen arbeitet auch Sohn Til nach Abschluss seines Maschinenbau-Studiums in Vollzeit mit. Ehefrau Britta kümmert sich um den Einkauf und die Verkaufsdokumente, Bruder Frank um die Buchhaltung – ein echtes Familienunternehmen. Insgesamt sind derzeit 14 Menschen in beiden Unternehmen beschäftigt. Til brachte Studienfreunde mit ins Team, die nicht nur viel Arbeit übernehmen, sondern auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse und frische Ideen einbringen. Über der Werkstatt in Elberfeld befinden sich Büro und Aufenthaltsräume sowie die Wohnräume verschiedener Familienmitglieder. Lars Müller selbst ist quasi in der Werkstatt aufgewachsen.

Geräten, die bereits sein Opa angeschafft hat, bis zu modernster Ausrüstung. Zuletzt kam eine neue Fünf-Achs-Maschine hinzu, die mehrere Arbeitsschritte hintereinander ausführen kann. „Wir haben alles darauf fokussiert, qualitativ hochwertig

und günstig in Kleinserie fertigen zu können“, erklärt Lars Müller. Ein weiterer Pluspunkt für die Kunden: Das Team reagiert auf Anfragen schnell und flexibel, die Ingenieure sind direkt erreichbar. „Oft kommen die Kunden kurz vorbei, wenn sie ein Problem haben – das können wir dann direkt lösen“, sagt Til Müller. Neben dem Austausch mit Stammkunden schätzen beide auch das Maschinenbau-Netzwerk Bergisch Land. „Das ist eine große Horizonterweiterung. Es inspiriert, sich mit Leuten aus der Praxis auszutauschen, und man lernt andere Sichtweisen kennen.“

Text: Tanja Heil

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