Energie und Wasser - Die Zukunft liegt im Strom
Vor 25 Jahren gründete die Stadtwerke Remscheid GmbH die Tochtergesellschaft EWR GmbH. Sie versorgt die Stadt mit Energie und Wasser, verbunden mit dem Ziel, immer verlässlich zu sein und zunehmend klimafreundlicher zu werden.
Die Klimakrise ist auch im Bergischen spürbar: Hitzeperioden, Dürre, halbvolle Talsperren. Um die Klimawende zu schaffen, will die EU in den nächsten 14 Jahren die Treibhausgase um 90 Prozent senken. Kommunale Energieversorger können dabei als Katalysatoren wirken. Wann agieren sie selbst klimaneutral? „Ein Datum können wir nicht nennen. Denn wir bewegen uns im Spannungsfeld zwischen Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Nachhaltigkeit“, sagt Christoph Nath, der neben Mike Giera Geschäftsführer des Stadtwerke Remscheid Verbundes ist. Zu diesem gehört die Tochtergesellschaft EWR GmbH, die dieses Jahr Silberjubiläum feiert. Den Weg aus fossilen Energiequellen unterstütze man mit Aktionen und Angeboten. Gleichzeitig müsse die Infrastruktur angepasst werden, um Folgen des Klimawandels abzufedern und die Versorgung sicherzustellen.
Eine Trinkwasserknappheit zeichne sich aktuell nicht ab, auch wenn die Große Dhünntalsperre (ein 72 Millionen Kubikmeter-Speicher), aus der auch Wuppertal, Solingen und Remscheid versorgt werden, nicht einmal zur Hälfte gefüllt ist. Um sie zu entlasten, reaktivierte die EWR die alte Remscheider Eschbachtalsperre. Das 2004 stillgelegte Wasserwerk im Eschbachtal ist umfassend saniert und mit einer modernen Ultrafiltrationsanlage ausgestattet worden, so die Geschäftsführer. Auch aus der über das Rohrnetz angeschlossenen Neyetalsperre könne Trinkwasser gewonnen werden.
„Für den Eigenverbrauch kaufen wir grünen Strom ein. Größter Verbraucher ist im Übrigen die Wasserversorgung“, sagt Giera. „Die Pumpwerke, die das Trinkwasser in die Versorgungsleitungen befördern, brauchen viel Energie.“ Auch die Busflotte der Stadtwerke steigere aufgrund der Umstellung auf Elektrobusse den eigenen Stromverbrauch. Weil auch immer mehr Privatkunden Strom aus nichtfossilen Energiequellen nachfragen, stoße man an Grenzen. Gas habe immer noch eine viel höhere Verfügbarkeit. Das spiele bei der Versorgung von Industrieunternehmen mit hohem Energiebedarf eine große Rolle. Der Verzicht auf Erdgas sei oft nicht möglich. „Aber die Zukunft ist Strom“, betont Mike Giera. Deshalb unterstütze die EWR die Mobilitätswende in der Stadt. Im April eröffnete sie Remscheids ersten Ladepark im Gewerbegebiet Auf dem Knapp nahe der A1. Er umfasst zehn Schnellladesäulen (400 kW), aus denen Grünstrom – zum Teil vom eigenen Solardach – fließt. Vier Ladepunkte seien für Elektro-Lkw geeignet. In 45 Minuten können sie bis zu 250 km Reichweite laden. „Insgesamt betreiben wir 583 öffentliche Ladepunkte in der Stadt“, bilanziert Mike Giera.
Mit der neuen Kampagne „Laden wie Zuhause“ will die EWR vor allem Mietern, die über keine eigene Wallbox am Haus verfügen, den Umstieg aufs E-Auto erleichtern. An den öffentlichen AC-Ladestationen können Kunden über eine App ihr E-Auto zum günstigen heimischen „Natur Plus-Stromtarif“ laden. Dass ein Run auf das Angebot bisher ausblieb, führt Mike Giera auf den leer gefegten E-Automarkt zurück. Eine Alternative biete die Carsharing-Flotte, die die Stadtwerke Remscheid GmbH mit dem Partner Stadtmobil Rhein-Ruhr betreibe: Vier der acht Wagen haben einen Elektroantrieb.
Die Gründung der EWR sei ein richtiger Schritt gewesen, ziehen die Geschäftsführer Bilanz. Auslöser, sich mit einer Ausgründung und durch Beteiligung externer Partner wie die Ruhrgas AG, heute Thüga AG, und später auch die Westenergie AG strategisch neu auszurichten, sei die Liberalisierung des Strommarktes 1998 gewesen, so Giera. „Durch solche Beteiligungen gewannen die insgesamt 100 Stadtwerke nicht nur mehr Einfluss. Wir profitieren auch von mehr Fachexpertise, von Preisvorteilen beim Einkauf und wir setzen technische Standards.“
Text: Sólveig Pudelski