Fokus auf das Positive - Good News für Wuppertal

Malte Reiter arbeitet seit 20 Jahren als freier Fotograf in Wuppertal und startete vor zwei Jahren den Kanal Wuppertal Good News auf Instagram. Das ehrenamtliche Team will in Zeiten von Verdruss bewusst mehr positive Akzente für die Stadt setzen.

Wenn man sich mit den Menschen unterhält, merke ich persönlich oft eine negative Grundstimmung. In meinem eigenen Freundeskreis redet man oft von Stadtnachrichten über Brände, Unfälle oder Messerangriffe. Es entsteht schnell der Eindruck, als wäre alles schlecht. Alles werde teurer, überall seien nur noch Baustellen und nichts gehe voran. Über den Bau des Pina-Bausch-Zentrums und die Buga sind viele wieder pessimistisch gestimmt. Vielleicht kann es aber auch noch super werden, es sagt ja keiner, dass es einfach wird. Und es gibt auch Baustellen, die nach ein paar Jahren auch mal abgeschlossen sind.

Vor knapp einem Jahr hatten wir einen Post zur Sanierung der Grundschule Liegnitzer Straße, die schneller als geplant abgeschlossen wurde und am Ende sogar 200.000 Euro weniger kostete. Oder aus dem Bereich Wirtschaft, dass „Karl Deutsch“ seinen bestehenden Standort in Elberfeld-West ausgebaut und um Produktionsflächen erweitert hat. In Zeiten, in denen viele Firmen Deutschland verlassen, ist das ein gutes Zeichen für Wuppertal. Ich möchte darauf hinweisen, dass es das auch gibt und sogar sehr viel. Wuppertal Good News bildet einen Gegenpol zu den schlechten Schlagzeilen, vor allem auf Social Media.

Ja, ich suchte von Anfang an nach Unterstützung, weil das ehrenamtlich sonst nicht tragfähig wäre. Wir sind fünf bis sechs Leute und die Arbeit verlagert sich auf viele Schultern. Jeder steuert immer dann etwas bei, wenn das die zeitlichen Kapazitäten zulassen.

Als ich den Leuten von meiner Idee erzählte, stimmten viele meinen Ein­drücken sofort zu. Positive Nachrichten generieren eben weniger Klicks als negative Schlagzeilen. Dabei lassen sich überall gute Nachrichten finden, wenn man den Fokus darauf setzt, nicht nur in Wuppertal.

Wir haben keinen kommerziellen Gedanken und machen das aus Über­zeugung. Dass so eine kleine Schule umgebaut wurde und alles gut geklappt hat, ist für viele glaube ich nicht so spannend, als wenn sich die Sanierung um fünf Jahre verschoben hätte, aber wir erzählen das trotzdem. Mittlerweile bekommen wir auch vermehrt Nachrichten aus der Leserschaft, in denen sie ihre guten Nachrichten mit uns teilen. Ich hoffe, dass es wächst.

Ich persönlich bin ein sehr optimistischer Mensch und bräuchte das für mich nicht unbedingt (lacht), aber ich hoffe, dass das manchen dabei hilft, zu sagen: Ach guck mal, da passiert doch was Gutes. Der restliche Instagram-Feed und die ganze Welt werden davon ja nicht besser und die guten Nachrichten können nicht davor isolieren. Positive Erlebnisse machen es einfach ein bisschen verkraft­barer. Und wenn man sie regelmäßig festigt, dann verblassen sie nicht komplett vor dem Hintergrund der negativen Nachrichten.

Wir positionieren uns nicht als Journalisten und sagen bewusst, dass wir nicht neutral sind. Ich will nicht alles schönreden, aber auf das, was schiefläuft, fokussieren sich andere Medien. Wir veröffentlichen auch keine kommerziellen Informationen und machen keine Werbung. Wir müssen tatsächlich eine strenge Vorauswahl treffen, weil es so viele gute Sachen in Wuppertal gibt.

Ich habe schon seit langem etliche Push-Nachrichten auf meinem Handy ausgestellt und achte darauf, mein Handy möglichst stumm zu schalten, wenn ich mich mit jemandem treffe. Und um stundenlang am Handy zu scrollen, fehlt mir die Zeit, die ich viel lieber meinen Ideen und Projekten widme.

Da fällt mir spontan die Hardt mit dem Elisenturm ein, wo ich schon diverse Hochzeiten fotografierte und selbst geheiratet habe. Es ist eine Grünanlage mitten in Elberfeld und da bin ich immer wieder gern.

Als Fotograf blickt man oft nach oben. Und gerade bei Gebäuden in Wuppertal finde ich es faszinierend, wie viele Details es da zu entdecken gibt. Den Blick nach oben schweifen lassen, das wäre mein Geheimtipp. Zum Beispiel bei den bunten Häusern in der Elsternstraße auf dem Sedansberg – ich lebe schon mein ganzes Leben in Wuppertal und habe sie selbst erst vor ein paar Jahren entdeckt.

Das Gespräch führte Evgenia Gavrilova.

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