Bergischer Bildungscampus - Neues Leben auf Werksgelände

Mit dem Bergischen Bildungscampus in Wuppertal ist ein neuer Ort für Ausbildung, Qualifizierung und Berufsorientierung entstanden. Er knüpft an die Tradition der Gemeinschaftslehrwerkstatt (GLW) an. Ziel ist es, berufliche Bildung in der Region langfristig zu stärken und weiterzuentwickeln.

Wer mit Jenny Westermann, Geschäftsführerin des Bergischen Bildungscampus, und Michael Schwunk, Geschäftsführer des Bergischen Arbeitgeberverbandes der Metallindustrie von Wuppertal und Niederberg, durch die neuen Räume geht, merkt schnell: Hier ist nicht einfach nur eine Lehrwerkstatt umgezogen. Hier soll etwas Neues entstehen. Beide sprechen mit spürbarer Begeisterung über den Campus, seine Möglichkeiten – und vor allem über die Menschen und Unternehmen, die ihn künftig mit Leben füllen sollen.

Berufliche Bildung ist gerade für die Fachkräftesicherung und die Zukunft des Industriestandorts Bergisches Land und Niederbergisches Land von großer Bedeutung. Genau hier setzt der Bildungscampus an: Er wird praxisnahe Aus- und Weiterbildungsangebote für die Metall- und Elektroindustrie bündeln. „Wir haben viele Angebote in den Bereichen Elektrotechnik und Mechatronik geplant“, erzählt Jenny Westermann und führt durch die hellen und großzügigen Räumlichkeiten. „Außerdem werden wir Maßnahmen zur Berufsorientierung für Schülerinnen und Schüler sowie Weiterbildungsmöglichkeiten anbieten“, ergänzt Michael Schwunk: Hier bekommen Jugendliche zusätzlich die Chance, auch andere Branchen wie Handwerk, Textil und Chemie kennenzulernen und zu erfahren, wie eine Ausbildung und der spätere Berufsalltag ablaufen. Dabei soll der Blick bewusst über die Metall- und Elektroindustrie hinausgehen. „Junge Menschen sollen die Möglichkeit bekommen, unterschiedliche Berufsfelder kennenzulernen und einen realistischen Eindruck davon zu gewinnen, wie Ausbildung und Berufsalltag heute aussehen“, erläutert Michael Schwunk. Auch Branchen wie Kfz, Handwerk, Textil oder Chemie sollen deshalb künftig auf dem Campus erlebbar werden. „Gerade dabei ist es wichtig, mit Partnern zusammenzuarbeiten“, macht Jenny Westermann deutlich.

Die Kooperationen mit anderen Bildungsträgern und Unternehmen sollen jetzt weiter ausgebaut werden. Das ist wichtig, denn: „Wir wollen junge Menschen für technische Berufe begeistern, Fachkräfte qualifizieren und Unternehmen bei den Herausforderungen des technologischen Wandels begleiten. “Unternehmen können sich dabei über unterschiedliche Wege einbringen: Mit Know-how, gemeinsamen Bildungsangeboten, Workshops, Veranstaltungen oder Einblicken in ihre Berufswelten. Gleichzeitig bietet der Campus ihnen die Möglichkeit, vor Ort sichtbar und für junge Menschen als Ausbildungsbetrieb und Arbeitgeber erlebbar zu werden. So soll ein Netzwerk entstehen, von dem Jugendliche, Beschäftigte und Unternehmen gleichermaßen profitieren. Darüber hinaus können Unternehmen eine Bildungspartnerschaft mit dem Bergischen Bildungscampus eingehen. Damit unterstützen sie nicht nur Ausbildung, Berufsorientierung und Weiterbildung in der Region, sondern können den Campus zugleich als Plattform für Nachwuchsgewinnung und Arbeitgeberpräsenz nutzen.

Hervorgegangen ist der Bergische Bildungscampus aus der GLW, die mehr als 80 Jahre lang für praxisnahe und qualitativ hochwertige industrielle Ausbildung in der Region stand. Rückläufige Teilnehmerzahlen und ein sanierungsbedürftiges Gebäude machten jedoch eine Neuausrichtung notwendig. So entschloss sich der Arbeitgeberverband der Metallindustrie die Einrichtung zu übernehmen“, so Michael Schwunk. „Wir entwickelten ein Konzept mit dem Ziel, berufliche Bildung im Bergischen Land und Umgebung zu sichern und weiterzuentwickeln.“ Ein Campus mit vielen jungen Menschen, Partnern und viel Leben ist die Vision. Die Suche nach einem passenden Gelände ging recht zügig, denn das brachliegende Gelände des ehemaligen Unternehmens Schaeffler bot mit einer Fläche von rund 3.500 Quadratmetern und einer bereits bestehenden Lehrwerkstatt die besten Voraussetzungen. Auch die Lage überzeugte: Der Bildungscampus liegt verkehrsgünstig in Autobahnnähe und ist aus Hilden, Haan, Heiligenhaus, Velbert und Wuppertal gut erreichbar. Für den öffentlichen Nahverkehr wurde sogar ein zusätzlicher Halt nahezu direkt vor dem Campus eingerichtet. Hier hält die Schnellbuslinie SB66 aus Velbert. Über die Nordbahntrasse ist zudem eine Anreise mit dem Fahrrad möglich.

Mit einer Investition von 3,6 Millionen Euro wurde der Standort realisiert. Neben Umgestaltungen für zum Beispiel Schulungs- und Aufenthaltsräume sind auch neue Maschinen angeschafft worden. Sie befinden sich in der Lehrwerkstatt neben „alten“ Maschinen der GLW aus Velbert. Werkbänke aus den fünfziger Jahren sind hier zu sehen, aber natürlich – und das ist Jenny Westermann und Michael Schunk, wichtig: Hightech-Maschinen machen deutlich, wie sich die Ausbildung ganz praktisch verändert hat. „Das Bild von schmutziger Arbeit passt längst nicht mehr zu vielen modernen technischen Berufen. Heute geht es viel stärker um technisches Verständnis, Präzision, digitale Kompetenzen und den sicheren Umgang mit moderner Technik“, lächelt Jenny Westermann.

Sie ist seit dem 1. April die Geschäftsführerin des Bergischen Bildungscampus – parallel ist sie auch Geschäftsführerin der IHK-Lehrwerkstatt in Solingen. Davor war sie 13 Jahre im Hochschulbereich tätig, wo sie Aufgaben an der Schnittstelle von Bildung, Organisation und Hochschulmanagmanet zu verantworten hatte. Unendlich viele Ideen hat sie mit ihrem Team und der Bergische Arbeitgeberverband der Metallindustrie schon entwickelt. „Meine Arbeit erfüllt mich sehr.“

Text: Eva Rüther

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